Kolonialismus

Ein afrikanisches Denkmal in Berlin, die Mohrenstraße umbenennen in Nelson-Mandela-Straße: Zwei Forderungen auf dem Gedenkmarsch für die Opfer von Sklavenhandel und Kolonialismus in Berlin 2015.

Michaela Ellguth/picture alliance / Geisler-Fotopress

Kolonialismus

Von Sklavenhandel und Zivilisierung

Handelsstützpunkt, Sklavenplantage, Siedlerkolonie – die Herrschaft der Europäer in anderen Weltteilen hatte sehr unterschied­liche Formen und Folgen. Gerechtfertigt wurde sie auf ihrem Höhepunkt mit einer Zivili­sierungsmission, die bis heute im Selbstverständnis der europäischen Gesellschaften nachwirkt.

Kolonialismus ist mit den Worten des Historikers Jürgen Osterhammel ein „Phänomen von kolossaler Uneindeutigkeit“ und mit Definitionen kaum zu bändigen. Das ist nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, wie viele Sachverhalte und Konstellationen in sehr unterschiedlichen Gesellschaften und Kulturen und über einen Zeitraum von mehr als 500 Jahren unter diesen Begriff gefasst werden. Kolonialismus bedeutet vor allem die Herrschaft einer ursprünglich ortsfremden Minderheit von Kolonialherren über eine ortsansässige, oft sehr heterogene Mehrheit von Kolonisierten. Die Motive für diese Fremdherrschaft konnten sehr unterschiedlich sein. Aber in der Regel wurden koloniale Eroberung und Herrschaft von Sendungsideologien und Rechtfertigungsdoktrinen begleitet, die auf der Überzeugung der Kolonialherren von ihrer eigenen kulturellen Höherwertigkeit beruhten.

Der neuzeitliche Kolonialismus seit dem 15. Jahrhundert durchlief mehrere Phasen und schuf eine immense Vielfalt von Erscheinungsformen. Die Seereiche der Portugiesen und Niederländer im 16. und 17. Jahrhundert beruhten etwa auf der Kontrolle einzelner Handelsstützpunkte in Übersee wie – im Fall Portugals – Ceuta in Nordafrika, Goa an der Westküste Indiens und Macau in Südchina. Sie unterschieden sich markant von der bürokratisierten Herrschaft Japans in Korea seit 1905 und von den britischen Siedlerkolonien: In Nordamerika und Australien verdrängten britische oder andere europäische Zuwanderer die einheimische Bevölkerung mit massiver Gewalt weitgehend; in anderen Siedlerkolonien wie in Kenia und Südrhodesien (dem heutigen Simbabwe) bildeten sie eine an der Herrschaft beteiligte, privilegierte Oberschicht. 

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erschienen in Ausgabe 11 / 2020: Erbe des Kolonialismus

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