WHO
 Abhängig von den Mitgliedstaaten – WHO-Generaldirektor ­Tedros Adhanom Ghebreyesus (Mitte) trifft im Sommer 2020 in Genf den deutschen und den französischen Gesundheitsminister, Jens Spahn (links) und Olivier Véran.

Denis Balibouse/Reuters

WHO

Unzureichend, aber unentbehrlich

Seit Jahrzehnten lähmt der Strategiekonflikt zwischen gesundheitlicher Grundversorgung und projektorientierten Kampagnen die Arbeit der Weltgesundheitsorganisation. Die Corona-Pandemie könnte Reformen befördern. 

Wir erinnern uns: Im April 2020 kündigte Donald Trump an, dass die USA ihre Beitragszahlungen zum WHO-Haushalt aussetzen würden; der Austritt folgte im Juli. In den Trump’schen Twittergewittern war die Botschaft unverblümt: Hätte die WHO das Schweigen und Leugnen Chinas über Corona nicht vertuscht, stünden die USA nicht vor einer gesundheitlichen und wirtschaftlichen Katastrophe. Die meisten Kommentatoren haben diese Episode als das eingeordnet, was sie war: die Suche nach einem Sündenbock sowie die Fortsetzung einer Offensive gegen internationale Organisationen und den Multilateralismus. Der neue Präsident Joe Biden hat mehrfach angekündigt, den Austritt der USA aus der WHO zu widerrufen.

Ist jetzt also wieder alles in Butter? Nun ja. Europäische Medien und Politik bekräftigen zwar ihre Distanz zu Trump, erinnern jedoch gerne an die Ins­trumentalisierung der WHO durch China. In der Tat: Von den allzu lange währenden Zweifeln daran, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar war, bis zur verspäteten Entsendung einer WHO-Mission nach China und schließlich der Veröffentlichung des ersten Fortschrittsberichts erst am 21. Januar 2020 wirft der Lauf der Ereignisse berechtigte Fragen auf.

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erschienen in Ausgabe 2 / 2021: Gesundheit weltweit schützen

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