Mosambik
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Die Milizen in die Schranken weisen

Seit Oktober 2017 kämpfen in der Provinz Cabo Delgado im Norden Mosambiks islamistische Milizen gegen die Regierung. Nach Massakern an der Bevölkerung und Attacken auf Ausländer kam Anfang Mai die Idee auf, Soldaten der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) in das Gebiet zu schicken. Das wird das Problem aber kaum lösen. 

 Melanie Kräuter ist Redakteurin bei "welt-sichten".welt-sichten
 3000 tote Zivilisten, hunderttausende Vertriebene und ein auf Eis gelegtes internationales Gasprojekt: Die jüngsten Angriffe islamistischer Milizen in der Provinz Cabo Delgado im Norden von Mosambik haben verheerende Folgen für das Land, und die umliegenden Staaten fürchten eine Ausbreitung des Terrors. Verantwortlich sind radikale Muslime – laut der International Crisis Group hauptsächlich rekrutiert unter arbeitslosen jungen Männern, armen Fischern oder frustrierten Kleinhändlern. Spätestens nach der Entdeckung großer Rubin- und Gasvorkommen in dem Gebiet im Jahr 2009 fühlen sich die Menschen dort ökonomisch und politisch abgehängt. Kämpfer dschihadistischer Netzwerke aus dem Nachbarland Tansania haben den Unmut ausgenutzt. Ob die Terrorgruppe direkte Verbindung zum Islamischen Staat hat, ist unklar. Sie will inzwischen in Mosambik strenge Scharia-Regeln einführen und die Regierungspartei Frelimo entmachten. 

Deren Präsident Filipe Nyusi hat das Problem lange kleingeredet, die Gruppe als „Kriminelle“ bezeichnet und nur vereinzelt mit Söldnern eingegriffen. Die Armee in Mosambik wurde nach dem Ende des Bürgerkriegs 1992 kleingeschrumpft und die Marine ist quasi arbeitsunfähig. Doch seit der französische Energiekonzern Total nach dem Angriff auf die Stadt Palma im März seine Arbeit am Gasförderprojekt auf Eis gelegt hat, wächst der Druck auf Nyusi.

Die lokale Bevölkerung auf seine Seite ziehen

Die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft SADC hat vorgeschlagen, 3000 Soldaten in die Region zu schicken. Nyusi, zurzeit Vorsitzender der SADC, zögert und erwägt, Truppen aus Ruanda anzufordern. Die EU wird kaum Soldaten schicken, außer um die mosambikanische Armee auszubilden. Ohnehin werden auch hier militärische Interventionen von außen ohne politische Lösung wenig helfen. Kurzfristig muss Nyusi sich helfen lassen, die Angriffe von al-Shabab einzudämmen und die Bevölkerung zu schützen. Aber er muss vor allem die lokale Bevölkerung auf seine Seite ziehen. Dazu muss Hilfe bei ihnen ankommen und mittelfristig die ganze Bevölkerung von den Bodenschätzen profitieren. Und ein Dialog mit Teilen der Terrortruppe ist nötig, um möglichst viele mit Sicherheitsgarantien und Angeboten für Perspektiven zum Aussteigen zu bewegen. Zudem müssen die Nachbarländer mit Strafverfolgung und der Trockenlegung von Finanzströmen den transnationalen Kämpfern den Boden entziehen. Die Zeit drängt. (mek)
 

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