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Wolfgang Ammer

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Im Schneckentempo gegen sexuellen Missbrauch

Eine Datenbank, eine Opferrechtsanwältin, einen Fonds für Geschädigte: Seit 2017 haben die UN einiges ins Rollen gebracht, um gegen sexuelle Übergriffe des eigenen Personals vorzugehen. Diese Schritte reichen jedoch nicht aus – die Mechanismen sind unterfinanziert und erhalten zu wenig Aufmerksamkeit.

Als er im Dezember 2016 seinen Amtseid ablegte, nannte der neue UN-Generalsekretär António Guterres seine vier wichtigsten Ziele: Ziel Nummer eins war der Kampf gegen sexuelle Ausbeutung und sexuellen Missbrauch innerhalb des UN-Systems. Im Gegensatz dazu erwähnte er in seiner Ansprache an die 193 UN-Mitgliedsstaaten zu seiner Kandidatur für eine weitere Amtszeit das Thema nur zwei Mal am Rande. Es ist kaum von der Hand zu weisen, dass das Problem auf Guterres’ Prioritätenliste nach unten gerutscht ist. 

Während seiner ersten Amtszeit, die noch bis Dezember dauert, skizzierte Guterres mehrere Maßnahmen, die eine neue, opferzentrierte Herangehensweise an das Problem einleiten sollten. Welche Fortschritte hat das gebracht? Eine UN-Website sammelt inzwischen entsprechende Anschuldigungen und dokumentiert, dass sexueller Missbrauch in allen UN-Büros und Behörden vorkommt. Im Jahr 2020 sollen demnach 66 Opfer von Soldaten aus UN-Friedenstruppen sexuell misshandelt worden sein. 105 Personen berichteten von Übergriffen durch weiteres UN-Personal, 258 Opfer gaben an, von Vertretern von UN-Partnerorganisationen sexuell missbraucht worden zu sein, vier wiederum berichteten von Übergriffen durch Personen, die nicht den Vereinten Nationen angehörten, aber unter UN-Mandat arbeiteten. 

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erschienen in Ausgabe 7 / 2021: Entwicklung wohin?

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