Ländliches Tansania
 George Mkumba stellt Bier her wie früher – auch wenn ihm niemand mehr für Essen und Trinken bei der Feldarbeit hilft.

Deodatus Mfugale

Ländliches Tansania

Discomusik statt traditioneller Tänze

Seit 83 Jahren lebt George Mkumba in einem kleinen Dorf im Süden von Tansania. Er erinnert sich gern an alte Zeiten, in denen es auch ohne Geld ging und sich die Dorfbewohner gegenseitig geholfen haben. Er weiß aber auch, dass er die Zeit nicht zurückdrehen kann.

Als George Mkumba an diesem Julimorgen aufwacht, fühlt er sich niedergeschlagen, und auch um 11 Uhr kann er sich nicht aufraffen, mit der Arbeit zu beginnen. Für die Bewohner des Dorfes Mpanga im Kilombero-Distrikt im Süden Tansanias, fast 700 Kilometer von der Millionenmetropole Daressalam entfernt, ist der Juli der Höhepunkt der Reisernte. Die Bauern freuen sich normalerweise darauf, die Ernte einzubringen. Denn nach der Ernte wird gefeiert. 

Doch mit seinen 83 Jahren arbeitet Mkumba allein auf seinem Hektar Land – das erschöpft ihn, auch wenn die Ernte in diesem Jahr ohnehin nicht gut ausgefallen ist. Er ist alt, und ihm fehlt es an Unterstützung. „Früher hätte ich die Ernte an einem Tag eingefahren“, erzählt er. „Ich habe dann einfach etwas Bier gebraut und Helfer eingeladen.“ Das halbe Dorf wäre vorbeigekommen und die Arbeit wäre schnell erledigt gewesen, fügt er hinzu. „Heute ist das nicht mehr so.“ 

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erschienen in Ausgabe 11 / 2021: Leben im Dorf

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