Fünf Fragen
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Wenn das Recht auf Nahrung verletzt wird

"Unser billiges Konsumieren führt zu himmelschreiender Ungerechtigkeit", sagt Philipp Mimkes, Geschäftsführer von FIAN Deutschland, im Interview.  

 Philipp Mimkes ist Geschäftsführer von FIAN Deutschland (FoodFirst Informations- und Aktions-Netzwerk).Oliver Arndt/ FIAN
Womit beschäftigen Sie sich hauptsächlich?
Als Geschäftsführer kümmere ich mich vor allem um Projektentwicklung, Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit und Personalfragen. Zudem unterstütze ich die Arbeit zu Menschenrechtsverletzungen und begleite gelegentlich Recherchen vor Ort, letzten Monat beispielsweise bei ländlichen Gemeinden in Sambia. Generell arbeiten wir zu menschenrechtlichen Problemen, die einen Bezug zu Deutschland aufweisen – zum Beispiel durch Investitionen deutscher Unternehmen oder Entwicklungsbanken. Vor Ort kooperieren wir mit Schwestersektionen von FIAN oder auch anderen Partnern, unter anderem in Uganda, Kambodscha, Ecuador oder Brasilien.

Was bewegt Sie gerade am meisten?
Meine Gedanken sind natürlich sehr beim Ukraine-Krieg. Dessen Auswirkungen auf die Welternährung sind auch ein wichtiges Thema für FIAN. Generell beschäftigt mich aber, wie unsere Lebensweise und unser Wirtschaftssystem zu Ausbeutung und Umweltzerstörung führen, vor allem im globalen Süden. Man sieht es ja an allen Ecken und Enden: Unser billiges Konsumieren kann nicht das oberste Gebot sein. Es führt zu himmelschreiender Ungerechtigkeit und auch ökologisch in die Sackgasse.

Welche Person hat Sie bei Ihrer Arbeit am meisten beeindruckt?
Jean Ziegler, der erste UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Er hat sein Engagement für die Marginalisierten auch im hohen Alter nicht verloren. Auch mit fast neunzig Jahren brennt in ihm ein Feuer, sich gegen Ungerechtigkeiten einzusetzen.

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?
Ich bin Diplomphysiker und habe Ende der 1980er Jahre mein Studium begonnen, auch um fundiert zu ökologischen Problemen arbeiten zu können. Bei den Kritischen Aktionären habe ich mich lange mit den Risiken der Chemie- und Pharmaindustrie beschäftigt. Grundsätzlich hat mich immer interessiert, wie sich wirtschaftliche Macht einhegen lässt: Denn statt „One Man – One Vote“ (und natürlich „One Woman – One Vote“) ist die Realität ja oft „One Dollar – One Vote“. Das führte mich auch zu FIAN, wo ich jetzt seit sechs Jahren arbeite. Die Organisation setzt sich für eine menschenrechtliche Regulierung von Unternehmen und für Menschenrechte in der Entwicklungs- und Handelspolitik ein. Mein persönliches Engagement und die tägliche Arbeit passen daher gut zusammen.

Woraus schöpfen Sie Ihre Motivation?
Dass man als Einzelner oder als Gruppe etwas bewegen und den öffentlichen Diskurs beeinflussen kann. Und mich motiviert es zu sehen, dass FIAN in konkreten Fällen von Verletzungen des Rechts auf Nahrung die Situation von Betroffenen verbessern kann.

Das Gespräch führte Luise Sonntag.

erschienen in Ausgabe 7 / 2022: Das Zeug für den grünen Aufbruch

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