Polymetallische Knollen aus dem Ozean
 Tiefseebergbau kann Ökosysteme am Meeresgrund zerstören, fürchten Umweltschützer. Hier demonstriert „Ocean Rebellion“ in Rotterdam vor dem Schiff, mit dem der Tiefsee­bergbau erprobt werden soll.

Joris van Gennip/Laif

Polymetallische Knollen aus dem Ozean

Mit Tiefseebergbau das Klima retten?

Erste Unternehmen starten Versuche, die für eine „grüne Transformation“ benötigten Mineralien vom Meeresboden zu holen. Kritiker warnen vor unabsehbaren ökologischen Schäden.

Für die Werkzeuge gegen den Klimawandel – Solaranlagen, Windkraftwerke, Elektromobilität – benötigen wir gewaltige Mengen an Mineralien: Kobalt, Mangan, Kupfer, Nickel und Seltene Erden. So braucht man beispielsweise für den Bau von Elektrofahrzeugen sechsmal mehr Mineralien als für Verbrenner. Solche enormen Mengen sind derzeit einfach nicht verfügbar – jedenfalls nicht an Land.

Dafür sind Teile des Ozeanbodens in etwa 4500 Meter Tiefe regelrecht übersät damit. Schwarze, kartoffelgroße Klumpen, polymetallische Knollen genannt, liegen in großer Menge im Schlamm der Tiefsee. Diese Knollen enthalten große Mengen an Kupfer, Mangan, Nickel und Kobalt, in geringerem Maße auch andere Mineralien. Sie zu fördern würde den Druck auf den Bergbau an Land mindern, dessen Erträge eher abnehmen, während seine Kosten für Umwelt und Gesellschaft steigen. Unter der Voraussetzung, dass sich der Bergbau am Tiefseeboden effizient und in großem Maßstab bewerkstelligen ließe, könnten die Kosten elektrischer Fahrzeuge gesenkt, ihre Verkaufszahlen erhöht und die Emissionen verringert werden.

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erschienen in Ausgabe 7 / 2022: Das Zeug für den grünen Aufbruch

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