Klimaschutz
Klimaschutz

Wendet sich Nigeria jetzt von der Ölförderung ab?

Seit kurzem hat Nigeria einen Klimaschutzrat. Was das für das Land bedeutet, erklärt der Umweltaktivist 'Seyifunmi Adebote.

 'Seyifunmi Adebote ist Umweltaktivist, Berater und Host des Climate-TalkPodcast.Kim Dashong

Seit kurzem hat Nigeria einen Klimaschutzrat. Was kann er erreichen?
Der Nationale Klimaschutzrat (NCCC) ist vom Präsidenten eingesetzt und untersteht keinem Ministerium, er ist auch kein „Junior“ im Umweltministerium. Das macht ihn unabhängig vom politischen Tagesgeschäft, wenn er von Politik und Wirtschaft Informationen fordert oder politische Maßnahmen auf dem Weg zu einem Nigeria mit „Null Emissionen“ vorschlägt. Alle zwei Jahre berichtet der NCCC an die Nationalversammlung. Hauptziel des NCCC ist, Klimaschutz in allen Ministerien zur Querschnittaufgabe zu machen, den gesetzlichen Rahmen für einen CO2-Emissionsmarkt in Nigeria zu entwickeln, die Risiken des Klimawandels und Möglichkeiten der Anpassung daran weiter zu erforschen und Finanzierungsmöglichkeiten dafür zu erschließen – nicht zuletzt durch Strafgebühren von Unternehmen, die sich weiterhin klimafeindlich verhalten.

Ist so ein Klimaschutzrat in Afrika eine Neuheit?
Ja, und Umweltschützer haben in Nigeria seit Juli 2016 für das Klimaschutzgesetz gekämpft, bevor es im November 2021 endlich in Kraft trat. Salisu Mohammed Dahiru, den Präsident Mohammadu Buhari zum Direktor des NCCC ernannt hat, ist zudem ein kompetenter Umweltwissenschaftler. Das heißt aber nicht, dass unabhängige NGOs jetzt nicht mehr wichtig wären, um die Umweltpolitik zu überwachen und anzutreiben.

Was sagt das Klimaschutzgesetz zum Thema Erdöl, das in der nigerianischen Wirtschaft ja eine enorme Rolle spielt?
Nichts, und das ist mit Absicht so. Wenn in dem Gesetz stünde, dass die Ölindustrie zurückgefahren werden muss, wäre es nicht verabschiedet worden, dazu ist die Öllobby zu stark. Dennoch wird die Ölindustrie infolge des Gesetzes langfristig zurückgefahren werden, denn anders sind die Vorgaben, allen voran das Ziel von null Emissionen, nicht zu erreichen.

Was bedeutet das dann für Wirtschaft und Arbeitsmarkt?
Die Ölindustrie stellt in Nigeria nur neun Prozent der Arbeitsplätze, die Landwirtschaft 70 Prozent, auch zum Bruttoinlandsprodukt trägt die Landwirtschaft ungleich mehr bei als die Ölindustrie. Gleichzeitig leidet vor allem die Landwirtschaft schon jetzt immens unter Extremtemperaturen und schrumpfenden Wasserquellen. Die Bedeutung des Erdölsektors wird einfach maßlos überschätzt. Die Zukunft Nigerias liegt nicht im Erdöl.

Das Gespräch führte Barbara Erbe.

erschienen in Ausgabe 10 / 2022: Handgemacht und maßgeschneidert

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