Unterschiedlicher Mix für Länder in Afrika

Energiequellen
Welche Energie braucht Afrika? Falsche Frage, sagt eine neue Studie und betont: Statt Geopolitik oder Europas Bedarf sollten die speziellen Voraussetzungen jedes Landes den Ausbau seiner Energiesysteme bestimmen.

Die meisten Länder in Afrika benötigen viel mehr moderne Energie, um Armut zu bekämpfen. Es ist technisch und wirtschaftlich möglich, sie zum größten Teil aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen wie Wind- oder Wasserkraft und Photovoltaik, heißt es in einer neuen Studie, zu der zahlreiche Autorinnen und Autoren beigetragen haben. Der Weg dorthin müsse aber für verschiedene Länder Afrikas unterschiedlich aussehen. Er hänge zum Beispiel davon ab, wie weit das Stromnetz ausgebaut, wie groß der Energiemangel, wie teuer die existierende Stromerzeugung und wie riskant Investitionen jeweils sind – und auch von im heimischen Energiesektor verankerten Lobbys und Interessengruppen.

Die Studie betrachtet vier exemplarische Fälle. Äthiopien ist danach bereits auf einem „grünen“ Entwicklungsweg: Es erzeugt den größten Teil des Stroms erneuerbar, und die wirtschaftlich günstigste Option für weiteren Ausbau sind Wind und Solar – auch weil das Kraftwerk am Großstaudamm „Grand Ethiopian Renaissance Dam“ deren Schwankungen ausgleichen kann. Südafrika sei ein Beispiel dafür, dass der Übergang von Kohle zu Erneuerbaren vom Staat ökonomisch günstig, aber mit politischen und sozialen Problemen verbunden ist. In Burkina Faso, wo der Zugang zu moderner Energie sehr schlecht ist, sei zunächst eine Kombination verschiedener dezentraler Quellen sinnvoll, darunter Solarenergie plus Dieselgeneratoren.

Mosambik steht laut der Studie am Scheideweg: Sein Energiemix ist jetzt dank Wasserkraft recht „grün“, aber die Regierung plane, die Erdgasförderung stark auszuweiten. Das sei stark von Exportinteressen motiviert und mit Risiken verbunden wie dem, dass die internationale Nachfrage wieder sinken werde. Außerdem trage Erdgas nach der Erfahrung in Afrika kaum dazu bei, mehr Menschen im Inland mit Energie zu versorgen.

Die Studie stellt fest, dass Interessen im Norden, etwa an preiswertem Erdgas, und kurzfristige Vorteile auf dem Weltmarkt die Weichenstellungen für die Energiegewinnung in Ländern wie Mosambik, Nigeria und dem Senegal nachteilig beeinflussten. Nötig sei, Vor- und Nachteile verschiedener Entwicklungspfade für jedes Land genau abzuschätzen, einschließlich langfristiger Risiken sowie institutioneller und politischer Hindernisse. Ein solches Risiko ist laut der Studie, dass sich Exporte infolge von Einfuhrzöllen auf CO2-intensive Produkte (Carbon Border Adjustment) in Europa verteuern. Bei der Entwicklung müssten dann die afrikanischen Länder selbst die Steuerung übernehmen und mit vielerlei angepassten Finanzierungsmöglichkeiten unterstützt werden.

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