Ein Essen für eine gute Tat

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Raffat Binte Rashid
Die Mahlzeit, die die Menschen hier vor dem „Bhalo Kajer Hotel“ in Dhaka genießen, soll auch der Selbstachtung gut tun.
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Im „Hotel der guten Taten“ in Bangladeschs Metropole Dhaka bekommen Obdachlose täglich eine warme Mahlzeit – wenn sie versprechen, am selben Tag auch anderen etwas Gutes zu tun. Unsere neue Folge in der Rubrik "Was tut sich...in?".

Jeden Tag zur Mittagszeit steht am Kawran Markt in Dhaka ein blauer Lastwagen, beladen mit Töpfen und Schalen voller Lebensmittel, und mit Wasserkannen. Davor stehen obdachlose Menschen für eine kostenlose Mahlzeit an. Denn das so genannte „Bhalo Kajer Hotel“ ist so etwas wie eine Küche für die Armen. Allerdings mit einem ganz besonderen Merkmal: Wer hier isst, soll dafür am selben Tag eine gute Tat begehen. 

Hinter dem „Hotel der guten Taten“ stehen die Brüder Arifur Rahman und Sehahanur Rahman Asif aus dem Stadtteil Kamalapur, die 2019 die Freiwilligenorganisation „Jugend für Bangladesch“ gründeten. Sie setzt sich für unterprivilegierte Kinder und für Obdachlose ein, indem sie Essen, Bildungsangebote, medizinische Behandlung und auch Unterkünfte organisiert. Das „Hotel“ auf vier Rädern hält außer am Kawran Basar noch in vier weiteren Stadtteilen der Metropole Dhaka: in Kamalapur, Bashabo, Korail, und Shatrasta Mor. Heute versorgt das Team rund 1100 Menschen mit gekochtem Reis und Gemüse. Zweimal pro Woche gibt es dazu Eier, zweimal Hühnerfleisch, die restlichen drei Male Linsen. 

Appell ans Gewissen

Die gute Tat kann alles Mögliche sein: einer alten Dame über die Straße helfen, Scherben und Nägel vom Weg aufsammeln, jemanden ins Krankenhaus begleiten, einen Hund oder eine Katze retten – die Liste ließe sich lange fortsetzen. „Bettler und Diebe, die ihr ganzes Leben auf der Straße verbracht haben, verstehen zunächst überhaupt nicht, was das mit der guten Tat überhaupt soll, sie kommen natürlich wegen des Essens“, sagt Rubel Ahmed Hemel, der das Projekt seit Anbeginn ehrenamtlich als Helfer unterstützt. „Aber wenn sie von uns eine Mahlzeit am Tag bekommen, appelliert das an ihr Gewissen“, ist er überzeugt. „Sie sehen dann eher mal von kleineren Diebstählen ab und sind motivierter, Gutes zu tun – das tut auch der Selbstachtung gut.“ Einen Nachweis für die gute Tat muss niemand erbringen, das Ganze läuft auf Vertrauensbasis. 

Das Projekt finanziert sich komplett ohne staatliche Unterstützung. Die rund 2100 Freiwilligen spenden dafür regelmäßig aus der eigenen Tasche einen kleinen Betrag. Darüber hinaus leiten viele von ihnen Geld, das sie zu Gedenktagen wie Todestagen, Jubiläen oder auch Geburtstagen erhalten, an das Hotelprojekt weiter oder besorgen dafür Lebensmittel. Es gibt aber auch einige wohlhabende und großzügige Gönner, die höhere Beträge spenden. „Wir hängen voll und ganz von der Großzügigkeit unserer Unterstützerinnen und Unterstützer ab“, betont Gründer Arifur Rahman. Ungefähr zwei Drittel der finanziellen Mittel kämen durch die Beiträge der Mitwirkenden zusammen, ein Drittel durch die Spenden weiterer Wohltäter. Für diejenigen, die auch persönlich bei Organisation und Essensausgabe mitwirken, sei die Arbeit emotional oft nicht einfach, erklärt Ruben Ahmed Hemel: „Da kann es schon immer mal wieder passieren, dass die Freiwilligen uns auch wieder verlassen.“ 

Neben dem „Hotel der guten Taten“ betreibt die Hilfsorganisation Jugend für Bangladesch in Dhaka noch drei Schulen für benachteiligte Kinder, und sie organisiert Behandlungsmöglichkeiten für Menschen mit Herzerkrankungen.

Aus dem Englischen von Barbara Erbe

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