„Die Zertifizierung ist schon auch strapaziös“

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Fairer Handel
In Nepal stammt ein Fünftel der exportierten Kunsthandwerksprodukte – etwa Klangschalen, Textilien und Keramik – aus fairem Handel, viel mehr als im weltweiten Durchschnitt. Wie das erreicht worden ist, erklärt Srishti Bajracharya von einem Fair-Handels-Unternehmen aus Kathmandu.

Srishti Bajracharya ist Marketingleiterin der Fair-Handels-Unternehmen Association for Craft Producers (ACP) aus Kathmandu/Nepal.

Ist Nepal im fairen Handel mit Kunsthandwerk ein Vorreiter?
Das kann man so sagen. Die Association for Craft Producers (ACP), für die ich arbeite, gibt es bereits seit 1984. Wir waren eine der ersten Organisationen weltweit, die das Label der World Fair Trade Organization (WFTO) erhalten haben. Heute arbeiten wir mit rund 500 selbstständigen Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern und 30 Kooperativen zusammen. Von Anfang an ging es darum, faire Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen auf dem Land zu schaffen, vor allem für Frauen, und dabei so viel Gewinn zu erwirtschaften, dass sich das Projekt trägt. Inzwischen verkaufen wir rund 70 Prozent unserer Produkte ins Ausland und 30 Prozent in Nepal – dort vor allem an Hotels, Restaurants und Touristen. Das WFTO-Label hilft uns, aber die Zertifizierung ist schon auch strapaziös. 

Inwiefern?
Zum einen kostet sie uns viel Geld. Zum anderen sind die Nachweise manchmal schwer zu erbringen. Zwar können wir belegen, was wir den Produzentinnen und Produzenten bezahlen und unter welchen Bedingungen sie arbeiten, ob beispielsweise genügend Tageslicht und wenn nötig eine Klimaanlage vorhanden sind oder das Gebäude erdbebensicher ist. Aber wenn wir Material einkaufen, wird es schwierig, gerade wenn wir auf örtlichen Märkten einkaufen.

Wieso ist der regionale Einkauf ein Problem?
Weil wir dann oft die Lieferkette nicht ausreichend dokumentieren können. Es ist einfacher, zertifizierte, industriell produzierte Baumwolle aus Indien oder Wolle aus Neuseeland einzukaufen als örtliche Ware von Kleinproduzenten, für die eine Zertifizierung viel zu aufwendig ist. Ich erinnere mich an eine Bestellung aus Deutschland, es ging um Decken und Kissen. Wir hatten alles fertig und sollten nachweisen, woher das Garn kam. Wir haben einen Monat lang die verschiedenen Märkte abgeklappert, um zu recherchieren, welche Garnrollen woher kamen und wie die Herstellungsbedingungen waren. Zum Schluss konnten wir alles belegen, aber der Aufwand und damit die Kosten waren sehr hoch.

Das Label lohnt sich aber trotzdem?
Ja, wir können uns damit von den Anbietern von Fake-Produkten absetzen, die leider immer mehr werden. Allerdings nur, wenn diejenigen, die unsere Ware kaufen, das WFTO-Label auch kennen und darauf schauen. Denn die Aussage „fair gehandelt“ kann sich jeder selbst auf die Website schreiben. 

Sie betonen öfter, dass fairer Handel in Nepal vor allem das Leben von Frauen verbessert. Wieso?
Sie stellen den Großteil der Kunsthandwerkerinnen, die selbstständig von zu Hause arbeiten.  Dass ihre Fertigkeiten, die zum traditionellen Erbe des Landes gehören, geschätzt und angemessen bezahlt werden, macht sie auch als Verdienerinnen selbstbewusster und verschafft ihnen innerhalb der Familien und der zutiefst patriarchalischen Gesellschaft mehr Respekt. Einige der Produzentinnen haben inzwischen den nächsten Schritt gewagt und eigene Produktionsstätten gegründet. 

Das heißt der faire Handel wertet das traditionelle Frauenhandwerk auf?
Auf jeden Fall. frauenorientierte Handwerksberufe wie Weben, Stricken, Nähen oder Sticken gelten nun nicht mehr nur als „Hobbys“. Und die ACP hat durch Designentwicklung, technische Neuerungen und Marketing eine entscheidende Rolle bei der Wiederbelebung traditioneller Künste und Fertigkeiten gespielt, die vom Aussterben bedroht waren, wie Weben, Blockdruck, handgehämmerte Kupferwaren und Filzen. 

Das Gespräch führte Barbara Erbe.

 

 

 

 

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