„Keine Arbeit. Keine Lebensmittel. Bloß ausharren“

Sirak Eshetu
Warten auf Hilfe im Flüchtlingslager Kakuma.
Was tut sich in … Kakuma?
Im Flüchtlingslager Kakuma im Nordwesten von Kenia leben rund 150.000 Menschen. Unser Autor ist einer von ihnen. Er berichtet, welche Folgen die Kürzungen der humanitären Hilfe für das Leben der Bewohner von Kakuma haben.

Als die US-Regierung Anfang 2025 damit begann, ihre Unterstützung für die UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR und ihre humanitäre Hilfe im Flüchtlingslager Kakuma zu kürzen, löste das eine Kette von Folgen aus. Sie betreffen die Versorgung mit Lebensmitteln, die Beschäftigung von Flüchtlingen im Lager und die Sicherheitslage.

Als Antwort auf die Kürzungen haben das UNHCR und seine Partner in Kakuma einen neuen Mechanismus mit der Bezeichnung „Differentiated Assistance“ eingeführt, um gezielt besonders schutzbedürftig Haushalte mit Nahrungsmitteln zu unterstützen. Humanitäre Organisationen begründen das mit den gravierenden Finanzengpässen. Viele Flüchtlinge aber kritisieren, dass dadurch neue Ungleichheiten unter den Lagerbewohnern geschaffen würden.

Für diejenigen, die als weniger schutzbedürftig eingestuft wurden, ist es hart, dass ihre Rationen reduziert oder sogar ganz gestrichen wurden. Einige suchen nach informellen Arbeitsmöglichkeiten, während andere überlegen, Kakuma zu verlassen und nach Nairobi oder Kisumu zu ziehen – trotz der Schwierigkeiten, eine Wohnung und einen Job zu finden, und vor allem auf die Gefahr hin, festgenommen und ins Lager zurückgebracht zu werden. 

Viel Personal von Hilfsorganisationen wurde entlassen

Autor

Sirak Eshetu

lebt seit 2010 im Flüchtlingslager Kakuma in Kenia und arbeitet dort als Übersetzer für das UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR. Er hat einen Diplomabschluss als Übersetzer und einen Bachelor in Wirtschaftskommunikation.
Es wurde aber nicht nur die Nahrungsmittelhilfe gekürzt. Das UNHCR hat außerdem wichtige Dienste wie die Bearbeitung von Anträgen für das sogenannte Resettlement reduziert und verlangsamt. Beim Resettlement werden besonders schutzbedürftige Flüchtlinge ausgewählt und in andere Länder ausgeflogen. Die dafür erforderlichen Fallbewertungen finden nur noch in sehr begrenztem Umfang statt. 

Wegen Geldmangel haben in Kakuma tätige humanitäre Organisationen viel Personal entlassen. Hunderte von Flüchtlingen, die zuvor als Lehrer, Sozialarbeiter, Dolmetscher und Hilfskräfte tätig waren, haben ihre Existenzgrundlage verloren und bekommen gleichzeitig weniger humanitäre Hilfe. Ein Flüchtling, der früher für den Lutherischen Weltbund gearbeitet hat, bringt seine Frustration so zum Ausdruck: „Was bleibt hier noch? Keine Aussicht auf Resettlement. Keine Arbeit. Keine Lebensmittel. Bloß ausharren im Lager.“ Manche sagen, Arbeitslosigkeit, gekürzte Nahrungsmittelhilfen und der Mangel an wirtschaftlichen Perspektiven erhöhe die Spannungen und die Kriminalität in einigen Bereichen des Lagers. 

Dolmetscher bekommen Gehalt nur verspätet

Flüchtlinge wie ich selbst, die als Dolmetscher arbeiten, bekommen seit einiger Zeit ihr Gehalt nur noch stark verzögert. Viele Dolmetscher erhalten im neuen differenzierten Hilfesystem weniger oder gar keine Nahrungsmittelhilfe mehr, da sie ja ein Einkommen haben. Allerdings verspätet sich die Auszahlung häufig um ein bis zwei Wochen und manchmal sogar noch länger, was ihnen große Probleme bereitet, etwa beim Bezahlen ihrer Miete. Besonders gravierend war es, als die Zahlungen für April und Mai ganz ausblieben. Anfang Juni gaben viele Dolmetscher an, dass sie seit etwa siebzig Tagen kein Geld mehr erhalten hätten. Viele Haushalte konnten ihre Grundbedürfnisse kaum noch decken. 

Bei den Kürzungen der humanitären Hilfe in Kakuma geht es nicht um abstrakte Zahlen in der Buchhaltung. Die Auswirkungen sind real und äußern sich im Verlust von Lebensgrundlagen und zerstörten Haushalten, in denen es nicht genug zu essen gibt oder deren Mitglieder sich in alle Winde zerstreuen. Und sie bringen ein humanitäres Schutzsystem an die Grenze, das Mühe hat, die Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen, für deren Unterstützung es geschaffen wurde.

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