Haiti und Pakistan prägen das Spendenjahr

Das Erdbeben in Haiti und die Überschwemmungen in Pakistan haben im vergangenen Jahr tausende Tote gefordert, Millionen Menschen verloren ihr Zuhause und ihren Besitz. Ihr Leid rief in Deutschland große Hilfsbereitschaft hervor, wie die großen kirchlichen Hilfswerke bei ihren Jahrespressekonferenzen Ende Juni berichtet haben. Das erhöhte Spendenaufkommen schreiben sie vor allem den beiden Naturkatastrophen zu.

Das katholische Entwicklungshilfswerk Misereor erhielt im vergangenen Jahr 77 Millionen Euro Spenden, 25 Millionen mehr als 2009. Insgesamt beliefen sich die Einnahmen auf 194,3 Millionen Euro – auch bei den staatlichen Zuwendungen verzeichnete Misereor einen Zuwachs. Ähnlich positiv ist das Ergebnis von „Brot für die Welt“. Das evangelische Hilfswerk steigerte sein Spendenergebnis mit 62,1 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr um 13,5 Prozent. Hier gaben ebenfalls Spenden für Haiti und Pakistan den Ausschlag, die „Brot für die Welt“ über das Bündnis „Entwicklung hilft“ zuflossen.

Auch bei der Kindernothilfe erhöhten die beiden Katastrophen die Gesamteinnahmen: Mit 76 Millionen Euro verzeichnete die Organisation das höchste Ergebnis ihrer 52-jährigen Geschichte. Die Christoffel-Blindenmission erhielt gleichfalls mehr Spenden als je zuvor: 42,8 Millionen Euro und damit knapp drei Millionen Euro mehr als 2009.

Folgen des Klimawandels mildern

Der Hauptgeschäftsführer von Misereor, Josef Sayer, betonte bei der Vorstellung der Jahresbilanz, die Flutkatastrophe in Pakistan zeige, dass die Armen durch die mit dem Klimawandel verbundenen Wetterkatastrophen am härtesten getroffen würden. Sayer würdigte den kürzlich beschlossenen Atomausstieg der Bundesregierung, warnte jedoch davor, den Ausbau neuer Kohlekraftwerke voranzutreiben. „Wenn wir das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, ernst nehmen, dann muss jegliche fossile Energiegewinnung so schnell wie möglich eingestellt werden“, unterstrich er.

Die Direktorin von „Brot für die Welt“, Cornelia Füllkrug-Weitzel, erklärte, ein Schwerpunkt der Arbeit bleibe, die Folgen des Klimawandels in den Entwicklungsländern zu mildern. Der bereits vor dem Atomausstieg beschlossene Energie- und Klimafonds (EKF) dürfe nicht zur Finanzierung der Energiewende in Deutschland umgewidmet werden. Er müsse zu mindestens 30 Prozent auch fortan für Klimaschutz und Klimaanpassung in den Ländern des Südens zur Verfügung stehen, forderte sie. Das Gesamtvolumen des EKF liegt für 2012 bei 780 Millionen und ab 2013 bei rund 3,3 Milliarden Euro. Der Entwurf des Bundeshaushaltes für das kommende Jahr weist für den internationalen Klima- und Umweltschutz aus dem EKF lediglich 55 Millionen Euro aus. Von 2013 bis 2015 sind dann zwischen 492 und 628 Millionen Euro jährlich vorgesehen.

Frauenrechte durchsetzen

Der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) kritisierte bei der Vorstellung seines Arbeitsberichtes in Bonn, dass Frauen vor allem in Entwicklungsländern noch vielfach benachteiligt würden. Die sei ein „ernsthaftes Entwicklungshemmnis“ für die Gesellschaften im globalen Süden, betonte EED-Vorstand Claudia Warning. Frauen spielten bei der Entwicklung eine wichtige Rolle, die jedoch meist unterschätzt werde. Der EED arbeite gemeinsam mit seinen Partnern daran, dieses Hemmnis zu beseitigen. Der Haushalt des EED, der sich nahezu vollständig aus staatlichen Mitteln und Kirchensteuern finanziert, hatte 2010 einen Umfang von 167,6 Millionen Euro und fiel damit um etwa drei Millionen Euro geringer aus als im Vorjahr. Ursache war in erster Linie ein Rückgang der staatlichen Zuwendungen. Für die kommenden zwei Jahre rechne sie jedoch mit steigenden Einnahmen, sagte Warning. Der EED schließt sich im kommenden Jahr mit „Brot für die Welt“ und dem Bundesverband der Diakonie zum „Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung“ zusammen. Das neue Werk soll am 1. Oktober 2012 seine Arbeit in Berlin aufnehmen.


di/gka/kb/saw

 

erschienen in Ausgabe 8 / 2011: Die Jagd nach dem dicksten Fisch

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