Humanitäre Armee

Die Bundeswehr hat viele Probleme. Für eins möchten wir hier eine innovative Lösung ins Spiel bringen: für das Personalproblem. Unsere Armee hat schon heute zu viele Häuptlinge und zu wenige Indianer. Wenn die Deutschen weniger werden und mehr Firmen Arbeitsplätze in behütetem Umfeld besetzen müssen, wer wird sich dann in Staub und Schlamm auf den Ernstfall vorbereiten? Wo jetzt die Wehrpflicht ausgesetzt ist, muss man mehr junge Leute für den Soldatenberuf gewinnen, der, seien wir ehrlich, immer mit gewissen Gefahren verbunden ist.

Das wird nicht besser mit diesen Auslandseinsätzen – ob nun für die Handelswege, für deutsche Interessen oder im Dienste der Humanität. Sicher, beim Bomben in Libyen sind wir nicht dabei, aber zum Schutz der humanitären Hilfe würden wir unsere Jungs da schon hinschicken. Man kann die Leute doch nicht verhungern lassen! Sie meinen, ertrinken lassen wir sie doch auch, wenn sie übers Mittelmeer setzen? Genau das ist der Fehler. Am Ende kreuzt da unsere Flotte mit einem Frontex-Schild, um Leute fernzuhalten, die man beser in Lampedusa, oder wo sie ankommen, rekrutieren sollte – als Indianer sozusagen. Das wäre doch viel humanitärer.

Diese Nordafrikaner sind jung und kräftig. Das Leben in der Kaserne sind sie aus den Flüchtlingslagern gewöhnt. Muslime? Schon, aber für Auslandseinsätze kann das nichts schaden, schließlich sind die ganzen gefährlichen Staaten islamisch. Und wer erst mal in Afghanistan oder so für uns kämpft, wohnt ja nicht richtig bei uns. Das Problem mit dem Familiennachzug ist dann auch nicht so groß wie früher bei den Gastarbeitern. Die Pensionierten? Für die kann man vielleicht in Ländern, wo die Bundeswehr humanitär tätig war, einen Ruhesitz erwerben. Kurz: Ist das nicht eine echte Win-Win-Option?

 

erschienen in Ausgabe 6 / 2011: Wir konsumieren uns zu Tode

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