Im Brennpunkt

Austauschen statt entsenden

Ein weiterer deutscher Entwicklungsdienst wäre überflüssig
Ein weiterer deutscher Entwicklungsdienst wäre überflüssig

(3.7.2013) „Nah dran“ - so heißt seit neuem die Zeitschrift für den Entwicklungsdienst in der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Das kann man als trotzige Antwort auf jene Kritiker verstehen, denen zufolge der gute, alte Deutsche Entwicklungsdienst (DED) mit der Fusion zur GIZ sang- und klanglos abgewickelt werden soll. Bisweilen erinnert dieser Zwist an einen Dialog zwischen Gehörlosen.

„Leichtfertige Zerschlagung einer der wichtigsten Entwicklungseinrichtungen Deutschlands“, „Bewährtes über Bord geworfen“, „ersatzlos gestrichen“ – mit harschen Worten kritisierte der sogenannte DED-Freundeskreis Ende Juni einmal mehr, wie seiner Ansicht nach in der GIZ mit dem Entwicklungsdienst umgegangen wird. Dargeboten wurde diese persönlich an Entwicklungsminister Dirk Niebel adressierte Abrechnung in Form einer Anzeige in zwei Tageszeitungen – pünktlich zum 50. Jahrestag der Gründung des DED 1963. Dem unbeteiligten Leser stellte sich die Frage, wen oder was der DED-Freundeskreis mit derlei Gepolter eigentlich erreichen will. Das Ganze hinterließ genau den Eindruck, den er eigentlich vermeiden will: dass hier einige ehemalige DEDler ihren Frust darüber raus lassen, dass es „ihren“ Entwicklungsdienst nicht mehr gibt.

Es stimmt ja: Entwicklungsminister Niebel hat sich von Beginn seiner Amtszeit an vor allem abfällig über Entwicklungshelfer und ihre Arbeit geäußert: „Hirseschüssel-Ministerium“ und „Entwicklungspolitik in der Schlabberpulli-Ecke“ waren die Vokabeln, mit denen er seine Verachtung zum Ausdruck gebracht hat. Sein Grußwort zum 50. Jubiläum des Entwicklungsdienstes waren entsprechend lustlos – und bezeichnend war seine Wortwahl in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst: Die GIZ müsse die Fusion – also auch den DED – noch „verdauen“. Dass Freunde des DED da hellhörig werden, ist gut nachvollziehbar.

Wie kommt der DED-Freundeskreis zu seiner pessimistischen Einschätzung?

Richtig ist auch, dass sich die Arbeit der Entwicklungshelfer in der GIZ verändert. Sie sind jetzt Teil der GIZ-Programme, die das Entwicklungsministerium mit den Regierungen der Partnerländer beschließt. Diese haben nun größeren Einfluss darauf, wo und wie die Helfer eingesetzt werden. Das erschwert in vielen Ländern die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, vor allem wenn sie regierungskritisch eingestellt sind. Zwar war auch der alte DED Teil der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit. Doch früher wurden die Entwicklungshelfer häufig von deutscher Seite einfach auf die vereinbarten bilateralen Programme draufgepackt, ohne dass sich die Partnerregierung groß darum gekümmert hat. Die Helfer liefen häufig „unterhalb des Radars“, sagt eine ehemalige DED-Regionalkoordinatorin, die sowohl vor als auch nach der Fusion im Einsatz war.

Dennoch: Liest man etwa, was die für den Entwicklungsdienst zuständige GIZ-Chefin Cornelia Richter in der ersten Ausgabe von „Nah dran“ zur Arbeit von Entwicklungshelfern sagt, dann fragt man sich, wie der DED-Freundeskreis zu seiner pessimistischen Einschätzung gelangt. Denn teilweise klingt das genauso wie das, was der Freundeskreis fordert: Arbeit an der Basis, enger Kontakt zur Zivilgesellschaft und Stärkung des ursprünglichen Charakters eines Dienstes auf Zeit.

Ein zivilgesellschaftlicher Austausch wäre eine sinnvolle Ergänzung

Vielleicht wird ja doch noch etwas aus dem Entwicklungsdienst in der GIZ. Dass das nicht ausgeschlossen ist, sieht man offenbar auch in Teilen des DED-Freundeskreises so. Dort schiebt sich nämlich zunehmend die Idee eines zivilgesellschaftlichen Austauschprogramms in den Vordergrund, in dem Helfer nicht nur von Nord nach Süd gehen, sondern umgekehrt auch aus den Partnerländern zu uns kommen. Das wäre etwas Neues und würde den Entwicklungsdienst der GIZ – in welcher Form er auch immer überlebt – und die Entsendedienste nichtstaatlicher Träger wie der Kirchen sinnvoll ergänzen.

Zu Recht fordert der DED-Freundeskreis, der Staat solle ein solches Austauschprogramm finanziell fördern. Das wäre tatsächlich sinnvoll investierte „Entwicklungshilfe“. Andererseits sollten die zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich für einen Austausch mit Partnern im Süden stark machen, einfach mal vorangehen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbst Geld dafür in die Hand nehmen. Einige Beispiele dafür gibt es bereits, es müssen aber noch mehr werden. So könnte die Zivilgesellschaft zeigen, ob und wie solche Einsätze von Süd nach Nord funktionieren. (Tillmann Elliesen)

Länder: 

Kommentare

Dass die Fusion von drei staatlichen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit zu einer prinzipiell sinnvoll war, möchte wohl keiner anzweifeln: Parallelstrukturen und die Notwendigkeit, den Partnerländern immer wieder die Legitimität und Funktion dreier Institutionen erklären zu müssen, die es in anderen Industrieländern so nicht gibt, haben eine Fusion schon lange notwendig gemacht. Dass der DED damit nun quasi verschwunden ist, sollten nicht wir bedauern, die dort häufig sinnvolles getan und reiche Erfahrungen gesammelt haben, sondern wenn, dann die Partnerinstitutionen, mit denen wir zusammen gearbeitet haben. Aber tun sie das? Vermissen sie uns? Das müssen wir uns kritisch fragen! Nicht Schlapperpulli oder Schlips und Kragen sind die Messlatte, sondern Nutzen im Sinne einer gerechteren Welt aus Sicht der Partnerländer. Ob die GIZ das nun auch wirklich (noch) vertritt, ist eine ganz andere Frage...

Liebe Frau Parsius, besten Dank für Ihren Kommentar. Ich finde Ihren Hinweis sehr wichtig, dass die Diskussion hierzulande über die Rolle von Entwicklungshelfern ohne Berücksichtigung derer geführt wird, um die es eigentlich geht: die Partner. Wir wollten das in "welt-sichten" anders machen und haben deshalb in unserem Heft zum Thema Entwicklungsdienst den Mitarbeiter einer Partnerorganisation in Sierra Leone genau das gefragt: Wozu brauchen Sie Entwicklungshelfer? Die Antwort finden Sie hier.

Neuen Kommentar schreiben