Im Brennpunkt

„Optimale Feuerdichte“

Heckler&Koch wegen Waffenexporten nach Mexiko unter Druck
Heckler&Koch wegen Waffenexporten nach Mexiko unter Druck

(16.1.2014) Die deutsche Rüstungsfirma Heckler&Koch (H&K) steht wegen Exporten von Gewehren nach Mexiko in der Kritik. „welt-sichten“-Autor Wolf-Dieter Vogel ist dorthin gereist und hat rekonstruiert, was am 12. Dezember 2011 im Bundesstaat Guerrero geschah. An diesem Tag verlor Maria Amadea de Jesús ihren Sohn Gabriel. Sie sagt: Er wurde von Polizisten erschossen. Einige trugen Gewehre von H&K.

Der 20-jährige Student Gabriel nahm in der Landeshauptstadt Chilpancingo an einer Protestaktion gegen den Gouverneur teil. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, Steine flogen, Tränengas vernebelte die Luft, Schüsse fielen. Zwei der Protestierer brachen tot auf der Straße zusammen. Einer von ihnen war Gabriel. Einige Polizisten trugen Gewehre vom Typ G36 der Firma Heckler&Koch.

Klage wird wahrscheinlicher

„Optimal in der Handhabung und der Feuerdichte im Nahkampf, sowie für ein schnelles, präzises und durchschlagskräftiges Einzelfeuer im Fernkampf“, bewirbt H&K diese Waffe, die nie in diese Region hätten gelangen dürfen. Denn als die Firma zwischen 2005 und 2007 eine Exportgenehmigung beantragte, stellten die deutschen Behörden eine Bedingung: Wegen der schlechten Menschenrechtslage ist es untersagt, die Gewehre in die mexikanischen Bundesstaaten Guerrero, Chihuahua, Chiapas und Jalisco zu liefern. Doch weder H&K noch der Käufer, das mexikanische Verteidigungsministerium, scherten sich offenbar um diese Maßgabe. Unter öffentlichen Druck geraten, beschuldigte die H&K-Geschäftsführung zwei Mitarbeiter, „ohne Wissen und Wollen anderer Personen“ für die Ausfuhren verantwortlich zu sein. Die beiden wurden entlassen, klagten jedoch gegen ihre Kündigung und machten deutlich, dass die Unternehmensleitung genau über die Geschäfte informiert war. Nun bekamen sie vor dem Arbeitsgericht Villingen/Schwenningen Recht. Eine Klage gegen Heckler&Koch wegen illegaler Waffenexporte wird damit wahrscheinlicher.

Auch Maria Amadea de Jesús kämpft für ihr Recht – sie will wissen, wer ihren Sohn getötet hat. Denn die verdächtigen Polizisten, die nach dem Einsatz festgenommen wurden, sind längst wieder auf freiem Fuß. (osk)
 

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