Im Brennpunkt

Ist Klimagerechtigkeit möglich?

Expertin: Es fehlen ein Konzept und der politische Wille
Expertin: Es fehlen ein Konzept und der politische Wille

(13.03.2014) Das Prinzip der gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung besagt, dass die Bewältigung grenzüberschreitender Probleme wie des Klimawandels im Interesse aller Länder liegt. Es besagt außerdem, dass manche Länder einen größeren Beitrag leisten müssen, weil sie wirtschaftlich leistungsfähiger sind und die Umwelt stärker zerstören als andere. Was sich in der Theorie einleuchtend anhört, ist politisch höchst umstritten. Bislang haben sich Regierungen nicht einigen können, nach welchem Schlüssel Lasten aufgeteilt werden sollen und welche finanziellen Verpflichtungen sich daraus ergeben.

Eine neue Studie von terres des hommes und dem Global Policy Forum beschäftigt sich mit diesem Thema. Für die Autoren wird es im nächsten Jahr „weder zu einem neuen Weltklimavertrag noch zu einer globalen Entwicklungsagenda kommen, die diesen Namen verdient“, wenn sich die Staaten in dieser Kontroverse nicht einigen.

Doch ist eine Einigung aus realpolitischer Sicht überhaupt möglich? Die Autoren geben darauf keine eindeutige Antwort. Sie bieten vielmehr einen breiten Überblick über verschiedene Modelle und versuchen, die Idee der zwischenstaatlichen Gerechtigkeit weiterzuentwickeln. So schreiben sie unter anderem, dass die Einteilung der Welt in zwei Lager nicht mehr zeitgemäß sei, da sich Entwicklungs- und Schwellenländer aufgrund ihrer dynamischen, teils sehr unterschiedlichen Wirtschaftsentwicklung nicht mehr „in eine Schublade“ stecken lassen. Man solle daher kontinuierlich auf die ökonomischen und ökologischen Veränderungen einzelner Länder reagieren und ihre Verpflichtungen daran anpassen. Außerdem erwarten sie, dass vor allem die Industrieländer, „die von der Übernutzung der Umwelt in der Vergangenheit profitiert haben, ihre politisch-moralische Verantwortung anerkennen und sich zu entsprechenden Ausgleichsleistungen politisch bereit erklären“.

Das Thema bleibt eine Riesenbaustelle

Susanne Dröge, Expertin für Klimapolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, schätzt die Verwirklichung dieser Ideen schwierig ein. Dass es in naher Zukunft eine umfassende Einigung geben wird, glaubt sie nicht: „Es fehlt eine Linie, wie man in dieser Frage zum Ziel kommen kann.“ Die Debatte sei wichtig, sagt Susanne Dröge, dennoch bleibt sie skeptisch, inwiefern es eine Art Klimagerechtigkeit überhaupt geben kann. „Das ist ein großes Wort. Und es suggeriert, dass es dafür eine große Lösung geben kann. Aber da habe ich meine Zweifel.“

Der Klimawandel und seine Lastenverteilung bleiben eine Riesenbaustelle; nur wenige Länder seien derzeit zu mehr Klimaschutz bereit. Die Wissenschaftlerin befürchtet, dass es 2015 zwar ein Rahmenabkommen geben wird, allerdings eines, das den Ländern viel Flexibilität einräumen wird. „Das wird wenig Biss haben.“ (ok)

Die Studie von terres des hommes und dem Global Policy Forum finden Sie hier.

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Kommentare

Es fällt zunehmend schwerer, die Beiträge von weltsichten zum Thema Klimawandel zu kommentieren. Das liegt auch daran, dass die Artikel aus klimatisierten bequemen Büros im Elfenbeinturm kommen. Unbestreitbar findet Klimawandel statt, aber anstatt sich mit zahlreichen Möglichkeiten zu beschäftigen, mit denen die schädlichen Folgen bearbeitet werden können, wird in Ihrem Medium in einer Art Übersprungshandlung nur der Sockel des Problems angebellt. Wirtschaftswachstum und mit ihm der Wohlstand der Völker sind untrennbar mit dem Verbrauch fossiler Energie verbunden. Diese Gesetzmäßigkeit zu ignorieren, zeugt von einer denkwürdigen Inkompetenz. Nicht der unbeweisbare Zusammenhang von fossilem CO2 und Erwärmung der Biosphäre ist das Problem, sondern die beweisbare Verteuerung von allen Rohstoffen, die zur Schaffung von Wohlstand nötig sind. Das trifft gerade arme Menschen hart, weil ihre Einkommen langsamer steigen als die Preise für Güter des täglichen Bedarfs. Erfreulich sind die Zweifel von Frau Dröge. "Klimagerechtigkeit" ist nicht nur ein großes Wort, sondern ein krachend blöder Begriff. Er gehört in eine Gedankenwelt, die nach Lage der Fakten nicht zu verwirklichen ist, wodurch die Beschäftigung damit reine Zeitverschwendung ist. Graben Sie doch mal in Ihrem Fundus nach Beispielen, wie die absehbaren Folgen des Klimawandels sinnvoll angegangen werden. Solche Vorbilder hätten anderswo Signalwirkung. Allein die regelmäßig wiederkehrenden (Jahrhundert-) Stürme, Überschwemmungen und Dürren machen die Verbreitung von wirksamen Problemlösungen zu lohnenden Aufgabe

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