Spielarten westlicher Skrupellosigkeit

 Susan Williams: White Malice.The CIA and the neocolonisation of Africa. London: Hurst 2021, 652 Seiten, 29,99 Euro

Das auf Archivrecherchen und Interviews basierende Buch der Historikerin Susan Williams dokumentiert, wie skrupellose westliche Geheimdienste auf dem afrikanischen Kontinent ihre Interessen wahrten und wahren.

Wer die Bücher von John le Carré kennt, dürfte sich öfters gefragt haben, was an diesen frei erfunden ist und was auf Einsichten des Verfassers in die Welt der Geheimdienste beruht. Das hauptsächlich auf Archivrecherchen und Interviews basierende Buch der Historikerin Susan Williams bietet ernüchterndes Anschauungsmaterial. Es dokumentiert die skrupellose Wahrung westlicher Interessen in einer Zeit, als der „Wind des Wandels“ auf dem afrikanischen Kontinent wehte.

Williams, die in Sambia aufgewachsen und mit dem Institute of Commonwealth Studies der Universität London assoziiert ist, setzt damit ihre Aufklärungsarbeit fort. 2011 hat sie in „Who Killed Hammarskjöld?“ den Flugzeugabsturz untersucht, bei dem im September 1961 der UN-Generalsekretär Dag Hammarskjöld und die 15 Menschen in seiner Begleitung an der nordrhodesischen Grenze zum Kongo ums Leben kamen. Dies führte dazu, dass die Vereinten Nationen ihre Untersuchung des Vorfalls wieder aufnahmen. 2016 folgte mit „Spies in the Congo“ eine detaillierte Analyse zur Bedeutung der dortigen Shinkolobwe-Mine in der Provinz Katanga, die zu Zeiten des atomaren Rüstungswettlaufs die weltweit größte Uranmine war. Sie hatte das Uran für die über Hiroshima und Nagasaki abgeworfenen Atombomben geliefert.

„White malice“ setzt diese Enthüllungen fort, ergänzt um eine Rekapitulation der Geschehnisse, die Anfang 1961 zur Folter und Ermordung des abgesetzten Premierministers der Demokratischen Republik Kongo, Patrice Lumumba, führten. Dabei wird deutlich, dass der britische MI6 und die CIA an der auch physischen Beseitigung des ersten Präsidenten des Kongo Interesse hatten, auch wenn sie die brutale Vollstreckung Söldnern des sezessionistischen Katanga-Regimes überließen. 

Rassistisch motivierte "weiße Bosheit"

Die „weiße Bosheit“ („white malice“) war von zutiefst rassistischen Sichtweisen und Mentalitäten motiviert. Von antikommunistischer Paranoia der McCarthy-Ära geleitet, galten alle afrikanischen Nationalisten oder der Idee des Panafrikanismus verbundenen Führer des Kontinents als Feinde. Dazu gehörte Ghanas Präsident Kwame Nkrumah. Er überlebte, weil er sich während des mithilfe von US-amerikanischen Militärs geplanten Militärputsches 1966 in China aufhielt. Auch Nelson Mandela musste nicht sterben. Doch der CIA übermittelte dem Apartheid-Regime die Informationen, die zu dessen Festnahme 1962 unter dem Anti-Kommunismus-Gesetz und einer fast 30jährigen Haft führten.

Afrika war Schauplatz zahlreicher Komplotte, die westliche Geheimdienste nicht nur duldeten, sondern oft förderten oder gar schmiedeten. Unliebsame Regierungen wurden durch dienstfertige Vasallen wie beispielsweise das Mobutu-Regime im Kongo ersetzt. Sie mussten als westliche Verbündete weder demokratische Gesinnungen noch Respekt vor Menschenrechten haben. Dass die Hauptrolle bei all dem die CIA und dessen Vorläufer OSS (Office for Strategic Services) spielte, ist nicht überraschend. Das Ausmaß und die Vielfalt ihrer Tätigkeiten hingegen schon.

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