Ciani-Sophia Hoeder beschreibt in ihrem Buch "Ökorassismus. Wie Weiße unsere Welt zerstören", wie die zerstörerische Ausbeutung von Ressourcen im globalen Süden kolonialen Mustern folgt.
Die Journalistin und Bloggerin Ciani-Sophia Hoeder hat sich schon öfter mit ökonomischer Ungleichheit und struktureller Armut in Deutschland befasst. Nun geht es ihr um das Zusammenwirken von klimaschädlicher Ressourcenausbeutung und Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe und Herkunft.
Hoeders wie ein Essay geschriebener Text legt einen Schwerpunkt auf die Situation bei uns und wirft Schlaglichter auf tropische Gebiete im globalen Süden und auf die vom Klimawandel betroffene kanadische Arktis. Viele Kapitel beginnen mit einer persönlichen Diskriminierungserfahrung der Autorin in Berlin. So geht es etwa um soziale Ungleichheiten im urbanen Wohnen, also wer in begrünten Vierteln leben kann und wer mangels Geldes in überhitzten und mit Feinstaub belasteten Quartieren auf engem Raum wohnen muss. Dass sich daran trotz Gesundheitsproblemen für Letztgenannte nichts ändert, sei ein Versagen der Verantwortlichen für Stadtplanung und Wohnungsbau.
Ebenso prangert sie das hiesige Konsumverhalten an, das heißt Billigkleidung und eine allgemeine Wegwerfmentalität. Sie verlangt auch mehr Verantwortung von Konzernen: Denn die beeinflussten Konsummuster und setzten zur eigenen Gewinnmaximierung auf gnadenlose Ausbeutung arbeitender Menschen und natürlicher Ressourcen. Als Fallbeispiel nennt sie Kobaltminen in der Demokratischen Republik Kongo, ohne die es unsere Elektrotechnik und elektronischen Kommunikationsmedien nicht geben würde.
Die Klimakrise trifft ehemalige Kolonien besonders hart
Die Ausmaße der Ausbeutung folgen – das erläutert dieses Buch – kolonialen Mustern. So seien frühere Kolonien heute vermehrt von der Klimakatastrophe, also Wetterextremen wie Dürre, betroffen. Dabei nimmt die Autorin globale Lieferketten, etwa der Baumwoll- und Textilproduktion, sowie die Industriepolitik ins Visier. Das Vorgehen global agierender Mineralölkonzerne prangert sie ebenfalls an.
Hoeder hofft auf eine Zivilgesellschaft bei uns, die politischen Druck erzeugt, damit Klimapolitik sozial gerecht wird. Die Energiewende und Subventionen für nachhaltige Technologie etwa sollten nicht nur bei Besitzenden ankommen, exemplarisch dafür nennt sie die hiesige E-Mobilität. Zudem fordert sie, der globale Norden müsse gemäß dem Verursacherprinzip für Umwelt- und Klimaschäden weltweit aufkommen. So sollten beispielsweise Klimasteuern für Unternehmen eingeführt werden, um Bevölkerungsgruppen zu entschädigen, die von der Klimakatastrophe besonders betroffen sind, und strengere Lieferkettengesetze beschlossen werden.
Bei all dieser Kritik erwähnt sie etwa in ihrem Abschnitt über die Kobaltminen in der DR Kongo nur in einem Nebensatz, dass die dortige Elite an der Ausbeutung mitverdient. Man würde gern mehr erfahren, wie solche korrupten Strukturen funktionieren und ob es im Land Widerstand dagegen gibt. Abschließend drückt die Autorin ihre Hoffnung aus, dass die Stimmen der Opfer stärker gehört werden, um ganzheitliche Ansätze und gemeinsame Lösungen für mehr Gerechtigkeit zu entwickeln.
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