In über 40 Essays beschreiben Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft und Politik in dem Buch „Klimawende jetzt“ Möglichkeiten eines solidarischen Umgangs mit der Klimakrise. Sie vermitteln zwar Hoffnung und einen guten Überblick über klimasolidarische Ansätze, aber der Band enthält nichts wirklich Neues.
Die Autorinnen und Autoren stellen in ihren Essays sowohl individuelle als auch gemeinschaftliche Ansätze vor, um in Zeiten vielfacher Krisen Resilienz zu entwickeln. Die Journalistin Waltraud Schwab etwa erzählt vom Krach mit ihrer Schwester über die Frage, ob die beiden ihr Auto abschaffen sollen – wobei die Schwester meint, als Tochter eines Automechanikers gehöre das Auto zu ihrer Identität. Der Mathe- und Chemielehrer Robert Mews plädiert dafür, die Schule als Ort der ökologischen Transformation zu nutzen, und erzählt von Projekten, die Schülerinnen und Schüler bereits umgesetzt haben: selbst gebaute Windräder im Schulgarten, um Handys zu laden, oder ein selbst geschriebenes veganes Kochbuch. Rebecca Freitag, ehemalige UN-Jugenddelegierte für Nachhaltige Entwicklung, schreibt über das Konzept der „positiven Kipppunkte“, also die Idee, dass genug kleine Veränderungen zu großer Wirkung führen können.
Kaum ein Text ist länger als fünf Seiten, im Mittelpunkt steht immer eine prägnante Idee. Für Menschen, die sich bislang sehr wenig mit dem Thema Klimawandel befasst haben, bietet das Buch vielfältige Impulse. Wer sich aber schon etwas ausführlicher mit Klimafragen auseinandergesetzt hat, wird kaum neue Erkenntnisse gewinnen. Immerhin bietet es einen guten Überblick über viele Ansätze und Wissensformen, die in den letzten Jahren von Klimaaktivistinnen und -aktivisten entwickelt wurden.
Komplexe Sachverhalte oft vereinfachend dargestellt
Empfehlenswert ist das Buch trotzdem nur eingeschränkt. Denn die knappen, stark vereinfachten Essays werden den komplexen Sachverhalten oft nicht gerecht, etwa wenn es darum geht, wie ein ökologisches Wirtschaften aussehen könnte.
Während die meisten Essays motivierend geschrieben sind und sinnvolle Handlungsmöglichkeiten vorstellen, bewegen sich einige zudem in eine merkwürdige Richtung. So beschwört der esoterisch anmutende Text von Judith Döker die Kraft von Meditation mit Berufung auf „unsere wahre Natur“ und bedient sich daraufhin einer ganzen Reihe exotisierender Stereotype, wenn er davon erzählt, wie glücklich Menschen im globalen Süden trotz extremer Armut leben. Genau diese Art von zu einfachem und zu eindeutigem Denken raubt der Klimabewegung ihre Seriosität. Was dann bleibt, ist nur noch Hippie-Ideologie.
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