Leitbild „Globales Lernen“

An zehn Schulen in Wien und Tirol werden im Unterricht seit einem Jahr fächerübergreifend globale Zusammenhänge behandelt. Im März zogen Teilnehmer des Pilotprojekts „Global Curriculum“ eine erste Bilanz.

Ausgangspunkt des Projekts ist die Tatsache, dass sich globale Entwicklungen in unserem alltäglichen Leben widerspiegeln. Das „Global Curriculum“ sei „die pädagogische Antwort auf Prozesse der Globalisierung“, sagt Projektleiter Franz Halbertschlager, Bildungsreferent der Südwind Agentur in Wien. Die zehn Schulen in Wien und Tirol, an denen seit vergangenem Jahr ein Pilotprojekt läuft, sollen ein entsprechendes Schulleitbild entwickeln. In Österreich können Schulen sich Leitbilder geben, die sich auf Themen wie Sport, die Künste, Ökologie oder eben auch auf globales Lernen beziehen. 20 Prozent der Unterrichtszeit dürfen dann von der Schule autonom im Sinne des eigenen Leitbilds gestaltet werden. Das Ministerium muss allerdings seinen Segen dazu geben und die Mittel freimachen.

Autor

Ralf Leonhard

ist freier Journalist in Wien und ständiger Korrespondent von "welt-sichten".

Anfang März waren Lehrerinnen und Lehrer der drei beteiligten Schulen in Tirol zu einem Runden Tisch in Innsbruck geladen, um die bisherigen Ergebnisse zu diskutieren. Dabei ging es laut Halbertschlager sehr viel um die Qualität des Unterrichts. Die Gymnasiallehrerin Heidi Unterhofer zeigte beispielsweise, wie sie die Themen Heimat, Weltliteratur und Filme aus dem „globalen Süden“ fächerübergreifend in ihren Unterricht integriert. Dank längerer Unterrichtseinheiten an Nachmittagen sei es ihr möglich, „mit den Schülerinnen und Schülern Projekte zu verwirklichen, die in die Tiefe gehen und Bezüge zwischen dem eigenen Leben und globalen Fragestellungen herstellen“.

Michael Schratz, Professor am Institut für Lehrerbildung und Schulforschung der Universität Innsbruck, appellierte an Lehrerinnen und Lehrer, sich nicht ausschließlich auf ihren Unterrichtsstoff zu fokussieren, sondern das Lernen selbst in den Mittelpunkt zu stellen: „Lehrer sind wie Dealer, sie denken immer nur an den Stoff“, sagte Schratz.

In Österreich beteiligen sich sowohl Volks-, und Sekundarschulen als auch Berufsbildende Schulen an „Global Curriculum“. Das Projekt findet zeitgleich auch in so unterschiedlichen Ländern wie Benin, Brasilien, Großbritannien und Tschechien statt. Im kommenden Oktober sollen Lehrer und Lehrerinnen aus Österreich im Rahmen eines Studienaufenthalts Schulen in Benin besuchen.

www.globalcurriculum.net/de/projekt/ueber-das-projekt/

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