Agrarbarone für Afrika

Riesige Sojafarmen bedecken große Teile der Savannen Brasiliens. Im Land können die Agrarunternehmen ihre Produktion kaum noch ausweiten. Deshalb erwerben sie Anbauflächen im Ausland – neuerdings auch in Afrika.

Sandrina Muaco besaß eine kleine Cashewnussplantage im Norden von Mosambik. „Das Land hier ist fruchtbar, wir haben immer genug geerntet und es hat zum Leben gereicht“, erklärte die 53-Jährige einer Reporterin des Magazin „New Internationalist“ und blickte über das weite, saftig grüne Land nahe ihrem Heimatdorf Maurunga. Vor zwei Jahren hat sie ihr Land an Eco-Energia verkauft, ein lokales Tochterunternehmen des schwedischen Agrarkonzerns Sekab. Eine verlockende Geldsumme und Überzeugungsarbeit von Agronomen und Behörden reichten aus, um Muacos Leben zu verändern.

Das Geld war schnell ausgegeben. Zwar ist ihr Haus jetzt größer und schöner, aber der Lebensunterhalt ist weg. Auf ihrem Land wird jetzt Zuckerrohr angebaut. Vier von fünf Mosambikanern leben von der Landwirtschaft, von sehr armen Subsistenzbauern bis hin zu Bauernhöfen mit mehreren Hektar Land. Das wird sich ändern, immer mehr Land wird in Monokulturen verwandelt, und die Bewohner wandern in die Städte ab. „Ich habe alles verloren“, sagte Muaco resigniert.

Autor

Andreas Behn

ist Korrespondent der Tageszeitung "taz" und des epd in Brasilien. Er lebt seit acht Jahren in Rio de Janeiro.

Vielerorts ist es das gleiche Bild. Auch in Sierra Leone sind Zuckerrohrplantagen auf dem Vormarsch. In Asien und Lateinamerika nimmt der Landhunger der industriellen Landwirtschaft ebenfalls zu. In Indonesien etwa kämpfen indigene Gruppen gegen ein Megaprojekt, durch das ihr Land in große Palmölplantagen verwandelt werden soll.

Brasilien ist ein weiteres Beispiel. Doch die regionale Führungsmacht kennt das Phänomen des Landraubs von beiden Seiten: Lange Jahre war Brasilien selbst ein Ziel von Landkäufern, vor allem aus Europa und Asien. Doch seit den 1990er Jahren haben brasilianische Unternehmen begonnen, selbst Ländereien zu erwerben – zunächst in den Nachbarländern, nun auch in Afrika. Brasilien ist der weltweit zweitgrößte Agrarproduzent und zeichnet sich durch eine extrem ungleiche Landverteilung aus. Die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche gehört gerade einmal 1,5 Prozent der Landbesitzer (ob einheimisch oder ausländisch). Diese Großbetriebe weiten sich immer mehr aus – auf Kosten der Kleinbauern und durch Abholzung der ursprünglichen Vegetation. Doch aus Sicht der Agrarindustrie stößt das boomende Schwellenland trotz seiner kontinentalen Größe an seine Grenzen. Die Preise für Grund und Boden sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Zudem hat die Regierung der Arbeiterpartei, die 2003 mit dem Ex-Gewerkschafter Luis Inácio Lula da Silva die Regierung übernommen hatte, die weitgehende Liberalisierung der Wirtschaft wieder etwas eingeschränkt: Landkäufe ausländischer Unternehmen wurden ab dem Jahr 2010 begrenzt, und ein zaghaftes Umweltprogramm erschwert die Rodung von Urwald.

erschienen in Ausgabe 10 / 2013: Landrechte: Auf unsicherem Boden

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