Freiburg und Isfahan kommen sich näher

Die einzige deutsch-iranische Städtepartnerschaft lebt nach der Öffnung des Irans wieder auf. Zuvor herrschte offiziell jahrelang Funkstille. Nun wollen die Badener sogar Bürger aus Iran und Israel zusammen bringen.

Die Partnerschaft zwischen Isfahan und Freiburg hat sich von Anfang an in einem schwierigen politischen Umfeld bewegt. Als sie im Jahr 2000 beschlossen wurde, galt Isfahan als eine Hochburg reformorientierter Kräfte im Iran. Doch 2003 wurde der Hardliner Mahmud Ahmadinedschad Staatspräsident. Er trieb das Nuklearprogramm voran und sprach Israel das Existenzrecht ab. Als Ahmadinedschad in einer Rede 2005 den Holocaust bestritt, fror Freiburg die offiziellen Kontakte zwischen beiden Städten ein.

„Im Stadtrat gab es damals einzelne Stimmen, die eine Aufkündigung der Partnerschaft verlangten“, sagt Günther Burger vom Referat Internationale Kontakte in Freiburg. Den Kritikern passte es nicht, dass das „grüne“ Freiburg, das sich zudem noch als atomwaffenfreie Zone bezeichnet, eine Partnerschaft in einem Land pflegt, das die Atombombe anstrebt. „Aber die große Mehrheit im Gemeinderat war immer deutlich für eine Fortsetzung der Beziehung“, betont Burger.

Heute stehen die Zeichen auf Entspannung. Nach der Wahl von Hassan Rohani zum neuen iranischen Staatspräsidenten werden die internationalen Auflagen langsam gelockert. Mit dem Besuch von Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) im Oktober in Isfahan soll auch die Zusammenarbeit zwischen beiden Städten wieder intensiviert werden. Sowohl für Isfahan als auch für Freiburg sei es auf zivilgesellschaftlicher Ebene die aktivste unter mehreren internationalen Städtepartnerschaften, sagt Günther Burger.

Die iranische Zensur behindert den Kulturaustausch

Da Freiburg eine ehrgeizige Energiepolitik verfolgt und sich gerne als „Green City“ bezeichnet, stehen auch in der Zusammenarbeit mit Isfahan erneuerbare Energien im Mittelpunkt. Freiburg berät bei Solarprojekten, vermittelt Experten für Sicherheitsfragen beim Bau der geplanten U-Bahn und hilft bei der energetischen Sanierung des Rathauses. Zudem gibt es Austauschprogramme für Kultur, Sport und Jugend. Allerdings wird im Iran zensiert und die Kommune bestimmt, welche Künstler auf iranischer Seite an Begegnungen teilnehmen dürfen.

Der 2001 gegründete Freundeskreis Freiburg-Isfahan, der den bürgerschaftlichen Austausch organisiert, ist da freier. Zwar seien anfangs auch Projekte des Freundeskreises von der Kommunalverwaltung in Isfahan verschleppt oder ganz abgesagt worden, erzählt Fatima Chahin-Dörflinger vom Freundeskreis. Zum Beispiel eine Fotoausstellung, bei der Frauen in ärmellosen Kleidern abgebildet waren. Aber in vielen Fällen gelinge es inzwischen, einen für beide Seiten akzeptablen Kompromiss zu finden.

Auch bei den gemeinsamen Mountainbike-Touren mit den Isfahaner Radsportfreunden war die Skepsis bei den Behörden zunächst groß. Radfahren wurde von dogmatischen Hardlinern lange Zeit als unislamisch abgelehnt. Heute werden die Radfahrer stolz herumgereicht. „Für die offiziellen Stellen war dies ein Lernprozess“, sagt Chahin-Dörflinger.

Freiburg ist aber nicht nur mit Isfahan verbunden, es bestehen auch freundschaftliche Kontakte zur israelischen Stadt Tel Aviv. Das wollen die Badener einsetzen, um Bürger der verfeindeten Länder zusammenzubringen. Es gab bereits mehrere Begegnungen von Schülern aus Isfahan und Tel Aviv in Freiburg. „Da können wir auf kommunaler Ebene etwas bewegen“, sagt Günther Burger.

erschienen in Ausgabe 8 / 2014: Gesichter der Karibik

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