Mit bunten Themen aus der Nische

Eine externe Evaluierung der entwicklungspolitischen Bildungs- und Kommunikationsarbeit der Austrian Development Agency (ADA) fällt gemischt aus. Zu wenig Geld werde auf zu viele Empfänger verteilt. Außerdem fehle es an innovativen Ideen.

In dem bislang unveröffentlichten Rohbericht bemängelt das deutsche Evaluierungsinstitut Particip die schwache finanzielle Basis für die entwicklungspolitische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit.  Das Budget der zuständigen Abteilung für Förderungen der Zivilgesellschaft, Entwicklungspolitische Kommunikation und Bildung in der ADA liegt bei 4,2 Millionen Euro und wurde seit Jahren nicht erhöht.

Die zivilgesellschaftlichen Partner seien – mit Ausnahme der kirchlichen Organisationen – in der Regel nicht finanzstark und von der staatlichen Förderung abhängig. Mehr als 40 Prozent der Mittel werden an nur drei Partner ausgeschüttet: die Südwind Agentur, die Österreichische Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung (ÖFSE) und das Wiener Institut für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit (vidc). Fast zwei Drittel des Geldes gehen an die zehn größten Empfänger; der Rest wird unter 146 weiteren Organisationen aufgeteilt.

Der Bericht lobt das gute Verhältnis zu den Partnern und deren hohes Engagement, empfiehlt allerdings eine Konzentration auf weniger Organisationen. Tatsächlich ist die Anzahl der Antragsteller in den letzten Jahren rückläufig. Das zentrale Problem vor allem der kleineren Partnerorganisationen ist, dass sie wegen der Bewilligung von Mitteln von Jahr zu Jahr in ständiger Existenznot sind, Projekte vorfinanzieren müssen und manchmal qualifizierte Mitarbeiter verlieren, die dann später nicht wieder eingestellt werden können, wenn das Geld da ist. Nur mit wenigen Partnern gibt es Förderverträge über mehrere Jahre.

Die ADA sollte stärker auf ­soziale Medien setzen

Mäßige Noten gibt es für die Wirkung der Bildungsarbeit. Zwar sei diese wahrnehmbar und werde auch außerhalb der Entwicklungsagentur an­erkannt, erreiche aber nur eine kleine Zielgruppe. Obwohl in Umfragen eine Mehrheit der Österreicher Hilfsbereitschaft zeige, nehme die Bevölkerung Entwicklungspolitik als Nischenthema wahr. Die Bildungsarbeit nutze vor allem die traditionellen Medien. Der Bericht empfiehlt, soziale Medien stärker ­einzusetzen, jüngere Menschen mit unterschiedlichem sozialem Hintergrund anzusprechen und mehr Rentner auf ehrenamtlicher Basis für generationenübergreifendes Lernen einzubinden. 

Auch die Auswahl der Themen sollte überdacht werden. Was vor 20 Jahren richtig gewesen sei, könnte jetzt „out“ sein. Bildungsferne Jugendliche würden von der Informationsarbeit nicht erreicht. Die Evaluierer empfehlen, stärker auf unpolitische „Lifestyle-Themen“ und „grüne“ Inhalte zu setzen. Zudem sollte die Bildungsarbeit besser mit den anderen Abteilungen der ADA vernetzt werden.

Die empfohlene Ausrichtung auf weichere Themen wird nicht von allen geteilt. Die Jugend sei nicht weniger politisch, sondern politikverdrossen, kommentiert die katholische Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz (KOO). Auf Unverständnis stößt bei der KOO auch die Empfehlung, die bestehende Zusammenarbeit mit dem Privatsektor weiter auszubauen: „Die Ökonomisierung vieler Bereiche im Leben schreitet unaufhaltsam voran. Warum nun auch die Bildungsarbeit?“

erschienen in Ausgabe 8 / 2014: Gesichter der Karibik

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