Grüne sehen schwarz

(13.03.2015) Mehr als zehn grüne Innovationszentren will Entwicklungsminister Gerd Müller in Afrika demnächst aus der Taufe heben. Doch ein richtiges Konzept fehlt, kritisiert Uwe Kekeritz von den Grünen. Weiter unklar ist auch die Rolle der Agrarindustrie.

Die Ziele der Grünen Zentren sind hochgesteckt: Vom Acker bis zum Teller soll die landwirtschaftliche Wertschöpfung gefördert werden. In Demonstrationsbetrieben und Landwirtschaftsschulen sollen Kleinbauern lernen, Erträge zu steigern und sie besser zu vermarkten - und das alles auch noch ressourcenschonend. Im April fällt der offizielle Startschuss für die ersten Projekte.

Insgesamt sind 13 Innovationszentren geplant, die meisten in afrikanischen Ländern, darunter Äthiopien, Benin, Burkina Faso, Ghana, Kamerun, Kenia, Malawi, Mali, Nigeria, Sambia, Togo und Tunesien. Ein weiteres Zentrum soll in Indien entstehen. Das Ganze ist Teil des Sondervorhabens „Eine Welt ohne Hunger“, für das jährlich 100 Millionen Euro zur Verfügung stehen.

In der Praxis seien die Zentren jedoch noch wenig konkret, kritisiert der entwicklungspolitische Sprecher der Grünen, Uwe Kekeritz. Das Vorhaben sei konzeptionell nicht ausgereift, laufe aber nur bis 2017: „Müller hat eigentlich keine Chance, das sinnvoll umzusetzen. Die Zeit läuft ihm davon.“ Der Grünen-Politiker hat im Februar in Äthiopien, Malawi und Sambia Standorte besucht, an denen die Zentren entstehen sollen. „Ich kann nicht erkennen, was das mit Innovation zu tun haben soll“, sagte er nach der Reise.

"Das alles ist sehr frustrierend"

In Äthiopien sollen offenbar das heimische Forschungsinstitut für Landwirtschaft und das vom Bundesagrarministerium geförderte äthiopisch-deutsche Weiterbildungszentrum enger zusammenarbeiten, berichtet Kekeritz. In Malawi bestehe die Innovation darin, im Rahmen eines Programms zur Ernährungssicherung an Fachschulen neue Kurse in Bewässerung, Agrarwirtschaft und Umwelt aufzulegen. Und in Sambia seien drei Experten der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) gerade erst dabei, mit heißer Nadel ein Konzept zu stricken. „Das ist alles sehr frustrierend“, so sein Fazit.

Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten soll etwa in Äthiopien vor allem die Produktivität von Weizen und Ackerbohnen gesteigert werden. Daher argwöhnt der Grüne, dass die Initiative die Bauern grundsätzlich dazu anhalten werde, von Investoren oder Großpächtern gelegte Monokulturen zu bewirtschaften. Sie würden dann als Auftragsbauern ihre Selbstständigkeit verlieren, müssten aber alle Risiken tragen. Zum anderen erhebt Kekeritz den Vorwurf, die Zentren sollten vor allem als Türöffner für deutsche Hersteller von Landmaschinen oder Saatgut dienen.

Die Liste der vom Entwicklungsministerium genannten möglichen Projektpartner ist lang. Danach haben neben Entwicklungsorganisationen wie Brot für die Welt, Misereor und Deutsche Welthungerhilfe auch viele Unternehmen Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet: Bayer Crop Science, Claas Landmaschinen, Pöttinger Erntetechnik, Riela Siloanlagen, Lemken Pflanzenbaugeräte, Rauch Düngetechnik und einige mehr.

Kleinbauern werden nur in einem Vorhaben explizit genannt

Die Firmen wollen sich in einzelnen Länderprojekten je nach Feldfrucht beteiligen: Von Ölsaaten wie Sonnenblumen, Erdnüsse und Soja in Malawi über Vorhaben mit Süßkartoffeln, Milch und Gartenbau in Kenia bis hin zum Anbau von Reis und Kartoffeln und der Fischzucht in Mali. Kein Interesse seitens der Industrie besteht dagegen am Anbau von Mais, Reis und Ananas in Ghana – dem einzigen Vorhaben, in dem kleinbäuerliche Betriebe ausdrücklich genannt werden.

Wie genau sich die Privatwirtschaft an den Projekten beteiligen wird, soll laut BMZ-Staatssekretär Thomas Silberhorn in den nächsten Monaten geklärt werden. Falls entwicklungspolitisch sinnvolle Beiträge von den Unternehmen zu erwarten seien, würden sie auch in Partnerschaften einbezogen. Kleinbauern würden sich jedoch als „zentrale Zielgruppe“ aktiv in die Verwirklichung der Länderkonzepte einbringen. Wie das in der Praxis geschehen soll, ist aus den Informationen des Ministeriums nicht ersichtlich.

 

erschienen in Ausgabe 4 / 2015: Unternehmen: Fair bringt mehr

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