Hilfswerke fordern Politikwechsel

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Das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt wirft der Bundesregierung eine verfehlte Flüchtlingspolitik vor. Berlin solle sich für sichere Fluchtwege nach Europa einsetzen, forderte die Präsidentin des Hilfswerkes, Cornelia Füllkrug-Weitzel. Die Entwicklungspolitik dürfe nicht den Ausputzer spielen und an die Bedingung gebunden werden, dass die Empfängerländer Flüchtlinge und Migranten aufhalten.

„Verantwortlich für Armut und Gewalt und damit letztlich auch für Flucht sind Ungleichheit und Ungerechtigkeit, politische Instabilität und Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen“, betonte Füllkrug-Weitzel bei der Bilanzpressekonferenz in Berlin. Wenn Deutschland langfristig Fluchtursachen bekämpfen wolle, müsse es sich stärker für gerechtere Bedingungen im globalen Handel einsetzen.

„Wenn Menschenrechte, Zugang zu Land und Wasser, Umwelt- und Sozialstandards nicht entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines Produkts gelten – ob Fisch, Textilien oder Smartphones –, nehmen wir Menschenrechtsverletzungen und Konflikte in Kauf“, sagte Füllkrug-Weitzel. Zudem müsse die Bundesregierung  der Vorbeugung, Bearbeitung und Nachsorge von Gewaltkonflikten größere Bedeutung beimessen als bislang, unterstrich die Theologin.

Füllkrug-Weitzel zufolge stellt der Strom hilfesuchender Menschen aus fragilen Staaten oder Konfliktregionen auch Brot für die Welt und seine Partner vor große Aufgaben. Drei von vier Flüchtlingen fänden Aufnahme in anderen Entwicklungsländern. Im vergangenen Jahr hat die Hilfsorganisation nach eigenen Angaben 636 Projekte neu bewilligt, darunter auch friedenspädagogische Projekte etwa in der Demokratischen Republik Kongo, am Horn von Afrika und in Nigeria.

Der Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerkes Misereor, Pirmin Spiegel, betonte ebenfalls, die Ursachen von Armut und Flucht müssten auf europäischer und globaler Ebene bekämpft werden. Das Elend vieler Menschen werde mitverursacht von politischen Entscheidungen der Industrie- und Schwellenländer, sagte Spiegel bei der Jahrespressekonferenz von Misereor in Bonn.

Insgesamt standen Brot für die Welt im vergangenen Jahr knapp 255 Millionen Euro für seine Arbeit zur Verfügung, darunter 55,7 Millionen Euro Spenden und Kollekten, 51,4 Millionen aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes sowie 123,5 Millionen Euro Beiträge Dritter, vor allem aus dem Entwicklungsministerium (BMZ). Misereor nahm im selben Zeitraum 185,8 Millionen Euro ein, darunter 55,5 Millionen Euro Spenden und Kollekten sowie Zuwendungen aus Mitteln des BMZ in Höhe von 118,9 Millionen Euro. Beide Hilfswerke verbuchten eine Steigerung bei den öffentlichen Mitteln.

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