Kirchenstreit in Nigeria
Kirchenstreit in Nigeria

130 Priester geben klein bei

Seit fünf Jahren kann Peter Okpaleke sein Amt als Bischof der südnigerianischen Diözese Ahiara nicht ausfüllen. Priester und Gläubige verweigern ihm den Gehorsam, weil er aus einer anderen Ethnie stammt. Nun hat der Papst ein Machtwort gesprochen.

Viele Briefe sind in den vergangenen Wochen zwischen dem südnigerianischen Ahiara und dem Vatikan hin- und hergeschickt worden. Anfang Juni hatte Papst Franziskus von jedem einzelnen der 130 Priester im Bistum eine persönliche und handschriftlich unterzeichnete Gehorsamserklärung verlangt. Wer binnen 30 Tagen die Benennung von Peter Okpaleke im Amt des Bischofs von Ahiara nicht akzeptiere, „will die Kirche zerstören“ und werde nach Ablauf des Ultimatums vom Dienst suspendiert. Mit dieser drastischen Maßnahme wollte der Pontifex einen Schlussstrich unter ein unrühmliches Kapitel in der nigerianischen Kirchengeschichte ziehen.

Der Streit um die Bischofsbenennung schwelt seit bald fünf Jahren. Ende 2012 hatte der damalige Papst Benedikt den Nigerianer Peter Okpaleke zum Bischof von Ahiara ernannt. Okpaleke stammt allerdings nicht aus Ahiara und gehört auch nicht zu der dort mehrheitlich lebenden Ethnie der Mbaise. Er ist Igbo – und das brachte viele der 430.000 Katholiken und 130 Priester seines Bistums auf die Barrikaden. Sie kündigten an, Okpaleke den Gehorsam zu verweigern. Und als Okpaleke im Mai 2013 an seinem Amtssitz geweiht werden sollte, blockierten Tausende die Kathedrale. Die Zeremonie musste im Nachbarbistum Owerri stattfinden.

Kein Igbo, sondern ein Mbaise

Dass ein Ortsfremder Bischof wird, ist in der katholischen Kirche nicht ungewöhnlich, vor allem nicht in Afrika. Mit dieser Tradition soll die Universalität der katholischen Kirche unterstrichen werden, die über ethnische Grenzen hinausreicht. In Ahiara wollten diese Praxis aber die wenigsten akzeptieren. Sie hatten sich einen Bischof aus den eigenen Reihen gewünscht mit der Begründung, dass Ahiara mehr als alle anderen Bistümer in Nigeria für Priesternachwuchs gesorgt habe. Es sei endlich an der Zeit, dass ein Mbaise in den Rang eines Bischofs erhoben werde. Als zudem bekannt wurde, dass der Papst Okpaleke auf Betreiben eines nigerianischen Kurienkardinals benannt hatte, der ebenfalls zur Ethnie der Igbo gehört, fühlten sich die Widerständler umso mehr im Recht.

Vergeblich bemühte sich der Vatikan, in der Folgezeit die Wogen zu glätten. Damit die Geschäfte in der Diözese überhaupt weiterlaufen konnten, bestellte der Papst Kardinal John Onaiyekan, Erzbischof von Abuja, als apostolischen Verwalter für das Bistum. Wiederholt reisten höchste päpstliche Berater nach Ahiara, um zwischen den Fronten zu vermitteln. Doch alle diplomatischen Versuche scheiterten.

Da platzt dem Papst der Kragen

Als dann im Frühsommer dieses Jahres wieder einmal eine Delegation der Widerständler im Vatikan vorstellig wurde und erneut die Absetzung Okpalekes forderte, muss Papst Franziskus der Kragen geplatzt sein. Das Ultimatum an die Priester, sich zu unterwerfen oder die Suspendierung zu riskieren, sorgte für Schlagzeilen. Offen spekulierten die nigerianischen Medien, welche Priester dem Papst wohl schreiben würden und welche nicht. Anfang Juli versammelten sich noch einmal rund 3000 Menschen vor der Kathedrale in Ahiara, um gegen Okpaleke zu demonstrieren. Andere baten den Papst bis kurz vor Ablauf des Ultimatums, seine Haltung noch einmal zu überdenken – was dieser aber nicht tat.

Mittlerweile haben alle 130 Priester ihren Unterwerfungsbrief nach Rom geschickt und Franziskus soll nun dabei sein, jedem einzelnen persönlich zu antworten, heißt es aus dem Vatikan. Kardinal Onaiyekan, der Erzbischof von Abuja, der nach eigenem Bekunden nichts Genaues über den Inhalt der päpstlichen Schreiben weiß, ließ nigerianischen Medien gegenüber aber durchblicken, dass die Sache für den Papst nunmehr erledigt sei und auch er davon ausgehe, dass Peter Okpaleke nun sein Amt als Bischof von Ahiara antreten könne.

erschienen in Ausgabe 9 / 2017: Religion und Umwelt

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