Industrie in Afrika

Zu teuer als Werkbank der Welt

Wohlstand durch Industrialisierung: Was die Asiaten vorgemacht haben, soll Afrika nachmachen. Eine neue Studie dämpft diese Hoffnung – außer für ein Land.

Wenn Unternehmern aus Industrie- und Schwellenländern die Produktionskosten in der Heimat zu hoch werden, wandern sie ab in sogenannte Billiglohnländer wie Bangladesch, Pakistan oder, früher, China. Dort können sie Kleidung, Schuhe und Smartphones für weniger Geld herstellen lassen; das erhöht ihren Gewinn und freut die Verbraucher im Westen. Bei all den Problemen, die diese Arbeitsteilung mit sich bringt: Sie hat asiatischen Ländern, allen voran China, einen wirtschaftlichen Aufschwung beschert.

Die Wissenschaftler der US-Denkfabrik Center for Global Development dämpfen jedoch die Hoffnung, dass sich diese Entwicklung in Afrika wiederholen könnte. Sie haben für ihre Studie Arbeits- und Kapitalkosten, Produktivität und Effizienz von Unternehmen in Ländern Subsahara-Afrikas mit denen in Bangladesch und anderen asiatischen Ländern verglichen, deren Bruttoinlandsprodukt ähnlich hoch ist. Insgesamt haben sie sich 5500 Firmen in 29 Ländern angeschaut.

Äthiopien als Lichtblick

Die Ergebnisse sind wenig ermutigend für Afrikaner: Der Bau und der Betrieb einer Fabrik, um etwa Kleidung oder Schuhe herzustellen, ist auf dem Kontinent viel teurer als in asiatischen Ländern – bei kleinen Unternehmen um mehr als ein Drittel, bei mittleren und großen etwa die Hälfte. Vor allem die Lohnkosten sind laut der Studie ungleich höher: In Bangladesch liegen sie bei 835 US-Dollar pro Arbeiter und Jahr, im Senegal bei 1560 und in Kenia bei 2100 Dollar. Eine Erklärung, warum die Arbeitskosten so hoch sind, liefert die Studie allerdings nicht; in der Regel nennen ausländische Unternehmer schlechte Transportmöglichkeiten, Stromausfälle und mangelnder Zugang zum Internet als Hindernisse für Investitionen in Afrika.

Eine Ausnahme fanden die Wissenschaftler: Äthiopien. Das Land könne zu „Afrikas China“ werden, da die Lohnkosten in der Volkrepublik steigen und in anderen asiatischen Ländern immer mehr Vorwürfe wegen Kinderarbeit und ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen laut werden. Die Arbeitskosten in Äthiopien sind nahezu so gering wie in Bangladesch, das Land verfügt über zahlreiche gut ausgebildete Frauen und Männer, die dringend einen Job suchen. Das zieht internationale Unternehmer an: Der schwedische Textilfabrikant H&M, der Schuhersteller Hujian aus China und das US-amerikanische Modelabel Guess haben dort bereits Fabriken eröffnet. Damit sich diese Entwicklung fortsetzt, müsse die äthiopische Regierung jedoch für eine stabile Stromversorgung in den künftigen Industriegebieten sorgen.

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