Planetare Grenzen
Das Insektensterben schädigt die Landwirtschaft: In der zentral­chinesischen Provinz Sichuan müssen mangels Bienen die Obstbaüme mühsam von Hand bestäubt werden.  
Planetare Grenzen

Risse im Netz des Lebens

Sturzflut in Lima, Dürre in Schweden, Tropenwälder fast ohne Vögel und Insekten – die Anzeichen mehren sich, dass Menschen die Erde aus dem Gleichgewicht bringen. Das Konzept der planetaren Grenzen zeigt auf, welche Eingriffe riskant werden.

Umweltschutz bewegt die Bayern: Fast ein Fünftel der Stimmberechtigten hat im Februar per Unterschrift den Vorschlag unterstützt, das Naturschutzgesetz des Landes zugunsten von „Artenvielfalt und Naturschönheit“ zu ändern. Die Initiatoren – der Landesbund für Vogelschutz, die Ökologisch-Demokratische Partei sowie die Grünen – hatten unter dem Slogan „Rettet die Bienen!“ einen Gesetzentwurf vorgelegt, der unter anderem vorsieht, dass 30 Prozent der Agrarfläche 2030 ökologisch bewirtschaftet werden.

Die Initiative appelliert an die Sorge für die bayerische Heimat – aber sie greift zugleich globale Umweltprobleme auf. Der Vogelschutzbund versteht den Schwund der Insekten ausdrücklich als Symptom des „größten Artensterbens seit Verschwinden der Dinosaurier“. Das ist nicht übertrieben: In Deutschland hat die Biomasse der Fluginsekten innerhalb von 25 Jahren um ungefähr drei Viertel abgenommen, und laut einer Übersichtsstudie von 2018 tritt das Phänomen mehr oder weniger dramatisch in verschiedensten Erdteilen und Klimazonen auf. Schätzungsweise zwei Fünftel aller Insektenarten weltweit können danach in wenigen Jahrzehnten ausgestorben sein. Zu den Hauptgründen gehören die intensive Landwirtschaft, chemische Gifte in der Umwelt und in den Tropen auch der Klimawandel: Hier töten Hitzewellen mit Temperaturen jenseits einer kritischen Höhe viele Insekten.

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erschienen in Ausgabe 4 / 2019: Erde aus dem Gleichgewicht

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