Korruption bekämpfen statt wegschauen

Das Thema „Korruption“ bietet immer wieder Anlass zu Pauschalkritik an der Entwicklungshilfe. Aber auch Wegschauen ist keine Lösung. In der Schweiz raten Fachleute den Hilfswerken, sich dem Thema zu stellen. Ein neuer Ratgeber könnte ihnen dabei behilflich sein.

Das Hilfswerk Caritas war beim Wiederaufbau nach dem Tsunami 2004 in die Schlagzeilen geraten, weil zwei indonesische Unternehmen rund 150.000 Franken für die Bestechung von Behörden reserviert hatten. Dem Hilfswerk HEKS machte vor einem Jahr eine Veruntreuung zu schaffen. Ein Projektkoordinator in Niger hatte fast eine Million Franken unterschlagen. Das sind Einzelfälle. Tatsache aber ist, dass Hilfswerke häufig in einem korrupten Umfeld arbeiten: Bestechung, Schmiergeldzahlungen und Vetternwirtschaft gehören in vielen Ländern zum Alltag. Hinzu kommt, dass Hilfsgelder solche Strukturen unter Umständen fördern.

Im September diskutierten Vertreter von Hilfswerken auf einem Treffen in Bern darüber, was sie gegen Korruption tun können. Transparency International (TI) Schweiz und die Entwicklungsorganisation „Brot für alle“ präsentierten einen gemeinsam entwickelten Ratgeber. Dieser enthält unter anderem die Empfehlung, Meldestellen für Whistleblower einzurichten – also für Leute, die einen Korruptionsverdacht melden, aber anonym bleiben wollen.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, sollen Hilfswerke die Spielregeln klar festlegen und dabei auch den Graubereich berücksichtigen. In einem Verhaltenskodex würde dann zum Beispiel stehen, welche Geschenke Mitarbeiter annehmen dürfen und welche nicht. Dass es in der Praxis zu Dilemma-Situationen kommen kann, verschweigt der Ratgeber nicht. Er empfiehlt, auch das zu thematisieren. „Verbietet ein Hilfswerk seinen Mitarbeitenden, Schmiergelder zu bezahlen, um bürokratische Abläufe zu beschleunigen, muss es darüber nachdenken, ob Ausnahmen zulässig sind“, sagt François Mercier von „Brot für alle“. Das könnte laut Mercier zum Beispiel der Fall sein, wenn der Zoll einen Lebensmitteltransport blockiert.

Der Ratgeber enthält aber auch Empfehlungen, die einfach umzusetzen sind: eine seriöse Buchführung, ein wirksames Controlling, die Schulung von Mitarbeitern. Die Experten raten außerdem dazu, die Partnerorganisationen im Süden bei der Entwicklung eines Programms gegen Korruption einzubeziehen. All dies ist mit Verwaltungsaufwand verbunden – und steht damit tendenziell im Widerspruch zum Wunsch der Spender, jeden Franken in die Hilfe zu investieren. Für die Experten von TI steht jedoch außer Frage, dass sich der Aufwand lohnt – und unverzichtbar ist. (Charlotte Walser, InfoSüd)

erschienen in Ausgabe 11 / 2009: Anders wirtschaften