Österreich teilt sein Wissen über Corona

Österreichs Reaktion auf die Bedrohung durch das Coronavirus gilt international als vorbildlich. In den vergangenen Monaten hat sich auch das klinische Know-how im Land entscheidend verbessert. Davon sollen nun auch Kooperationspartner der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit in Afrika und im Nahen Osten profitieren.

Während in Österreich Mitte Mai bereits erste Schritte zur Normalisierung des Alltags gesetzt wurden und seit Juni die Grenzen wieder auf sind, steht in vielen Ländern des globalen Südens der Höhepunkt der Pandemie noch bevor. Als sich die schnelle Ausbreitung des Coronavirus abzuzeichnen begann, sind die Austrian Development Agency (ADA) und die Londoner Online-Gesundheitsplattform MedShr Anfang April eine Wirtschaftspartnerschaft eingegangen. Bis zu 150.000 Ärztinnen und Ärzte in Afrika und im Nahen Osten sollen von klinischem Knowhow im Umgang mit Covid-19 profitieren. Die Wiener INiTS Universitäres Gründerservice Wien GmbH unterstützt die Online-Bildungsoffensive als strategischer Partner. INiTS fördert und berät Startup-Unternehmen.

MedShr wurde im Jahr 2015 von Ärztinnen und Ärzten in London ins Leben gerufen. Im Rahmen des Projekts mit der ADA erhält Gesundheitspersonal in Äthiopien, Nigeria, Uganda, im Irak und in Jordanien über die Plattform kostenlosen Zugang zu Informationen zur Diagnose und Behandlung von Covid-19. In weiterer Folge soll die Initiative auf den gesamten afrikanischen Kontinent und den Nahen Osten ausgedehnt werden. Vor allem der ländlichen Bevölkerung wird damit geholfen. Über eine App hat Gesundheitspersonal in ländlichen Gegenden Zugang zu Informationen zu Präventivmaßnahmen, besserer Betreuung und Behandlung.

Informationen zu Diagnose und Behandlung 

Aktuell konzentriert sich ein Großteil der Empfehlungen und des Bildungsangebots zu Corona auf die Behandlung von Patientinnen und Patienten auf Intensivstationen, die mit den notwendigen Geräten ausgestattet sind. Wir sind davon überzeugt, dass es wichtig ist, darüber hinauszugehen“, sagt der Arzt Asif Qasim, der unter anderem am London Bridge Hospital praktiziert. Der Kardiologe ist Mitbegründer von MedShr und derzeit Geschäftsführer der Plattform. „Mit der Unterstützung aus Österreich treiben wir Bildung rund um die Diagnose und die Behandlung von Covid-19 in Afrika und im Nahen Osten voran. Damit stärken wir medizinisches Personal in einem besonders herausfordernden Umfeld“, sagt Qasim.

ADA-Geschäftsführer Martin Ledolter sagte, gebraucht würden grenzübergreifende Innovationen, die die weitere Ausbreitung des Coronavirus stoppen, Menschen vor der Krankheit schützen und neue Behandlungsmethoden erproben. „Gemeinsam mit MedShr leisten wir zu alldem einen wichtigen Beitrag.“ Die ADA fördert die zunächst auf ein Jahr angelegte Initiative mit rund 180.000 Euro.
MedShr ist Teil des Health Hub Vienna, der von der Wiener INiTS betreut wird. INiTS unterstützt die Partnerschaft zwischen ADA und MedShr. Das Unternehmen hilft nach eigenen Angaben, internationale digitale Lösungen im Gesundheitsbereich zu beschleunigen und für den österreichischen Markt aufzubereiten. Ärztinnen und Ärzte können sich über die Plattform online und via Smartphone austauschen, Fragen zu Diagnose- oder Behandlungsmöglichkeiten stellen oder den neuesten Stand der Forschung diskutieren. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise weiten MedShr und ADA dieses Angebot nun auf Länder in Afrika und im Nahen Osten aus.

Den Kampf gegen das Coronavirus unterstützt Österreich auch im Kosovo. Ende Mai unterzeichnete Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) in Pristina ein Abkommen über eine Soforthilfe in Höhe von insgesamt 250.000 Euro als Teil des Nothilfeprogramms, das zur Eindämmung der Pandemie beitragen soll. Österreich finanziert damit über das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) den Kauf von 9000 Covid-19-Tests.

erschienen in Ausgabe 7 / 2020: Der Plan für die Zukunft?

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