Waldschutz
Waldschutz

Irreführung mit schönen Modellen 

Der Handel mit Zertifikaten soll den Waldschutz finanziell attraktiv machen. Eine Studie nährt Zweifel an der Wirkung des Konzepts.

Wie kann man die Wälder und damit das Klima schützen und gleichzeitig Entwicklung in ländlichen Gebieten in oder an Wäldern in Gang bringen? Dazu ist in den globalen Klimaverhandlungen ein Konzept entwickelt worden, wonach ein Land Zertifikate für mittels Waldschutz vermiedene Emissionen erhalten soll, die verkauft werden können. Das komplizierte Konstrukt enthält auch Regeln zur Vermeidung von schädlichen sozialen und ökologischen Nebenwirkungen. Anschubfinanzierung von Geberländern soll helfen, im Süden die nötigen Vorkehrungen zu schaffen – etwa damit man im Wald gebundenen Kohlenstoff messen, Waldschutz durchsetzen, Zertifikate vermarkten und die Einnahmen verteilen kann.

Laut einer neuen Studie ist dieses Programm mit dem Kürzel REDD+ bei Geberländern beliebt, wirkt aber kaum. Etwa zehn Milliarden US-Dollar sind danach für REDD+-Pilotprojekte in 65 Ländern bisher zugesagt. Doch es sei jedenfalls in Afrika kein deutlicher Einfluss auf die Waldverluste oder die ländliche Armut feststellbar. Das, so Kate Massarellla und Adeniyi Asiyanbi, hat mit einem Irrweg zu tun, der auch in anderen Entwicklungsprogrammen verbreitet sei – besonders solchen, die Mehrfachnutzen (Win-Win) bringen sollen: Geber schaffen mit großem Aufwand Modellprojekte und nehmen die dann als Beleg, dass der Ansatz funktioniert.

Modelle sind nicht übertragbar

Zu Unrecht, zeigt die Studie an zwei Fallstudien. In Tansania wurden danach für REDD+ Orte ausgewählt, die ungewöhnlich günstige Bedingungen mitbrachten; daher seien die Modelle nicht übertragbar. In Nigeria hätten die Geber sich auf einen Bundesstaat konzentriert, was dort aber weder den Wald erhalten noch die ländliche Ökonomie stabilisiert habe. Zu Unrecht folgerten viele Evaluierungen also aus aufwändigen Modellprojekten, dass REDD+ als Modell für ganze Länder funktionieren könne. 

Vorzeigeprojekte sind laut der Studie zum Selbstzweck geworden; tiefer gehende Änderungen des Umgangs mit Wald, die mit REDD+ ursprünglich anvisiert waren, kämen kaum mehr vor. Auch in anderen Bereichen der Entwicklungszusammenarbeit schließe man oft aus Modellorten, ein Rezept sei in größerem Maßstab tauglich. Das versperre den Blick auf tiefergehende und wirksamere Alternativen. 

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