Interreligiöser Dialog
Interreligiöses Zusammenleben in PakistanMuslime und Christen beim gemeinsamen Fastenbrechen im Monat Ramadan in einer Kirche in Karatschi (Mai 2019).

REUTERS/Akhtar Soomro

Interreligiöser Dialog

Alarmismus schadet den Minderheiten in Pakistan

Falschmeldungen über die angebliche Entführung eines 14-jährigen christlichen Mädchens in Pakistan beunruhigen Menschenrechtsaktivisten. Das inter­religiöse Zusammenleben werde dadurch erschwert. 

Ende Mai verbreitete sich in den sozialen Medien die Nachricht von der angeblichen Entführung eines 14-jährigen christlichen Mädchens in Pakistan. Sunita Masih aus Faisalabad sei von muslimischen Männern verschleppt, vergewaltigt und gezwungen worden, zum Islam zu konvertieren. Pakistanische Schauspieler und Fernsehmoderatoren prangerten auf Twitter und Instagram die Tat an, posteten das Foto des Mädchens und forderten Gerechtigkeit für religiöse Minderheiten in Pakistan. Der Polizeichef dementierte allerdings kurz darauf, dass es in Faisalabad einen solchen Fall gegeben habe. Kurze Zeit später berichteten lokale Zeitungen, die Entführung habe in Sukkur in der Provinz Sindh stattgefunden. Doch auch dort dementierte die Polizei. 

Nach Angaben des katholischen Menschenrechtsaktivisten Asif Munawar aus Faisalabad sind die Nachrichten über Sunita Masih falsch. Das in den sozialen Medien verbreitete Foto zeige ein Mädchen, das bereits vor drei Jahren entführt worden sei. „Es gibt Menschen, die falsche Nachrichten über Angriffe und Verfolgungen gegen religiöse Minderheiten verbreiten“, sagte Munawar. Man müsse alle Informationen sorgfältig überprüfen. Auch die Nachricht vom Angriff auf eine Kirche in Okara Mitte Mai habe sich als falsch herausgestellt.

Falschnachrichten als "Krebsgeschwür für interreligiöse Beziehungen"

Vor Falschnachrichten warnt auch der katholische Priester James Channan aus Lahore. „Solche Fake News sind gefährlich. Sie sind eine Falle und vergrößern die Sorgen und das Trauma von Angehörigen religiöser Minderheiten.“ Falschnachrichten trügen dazu bei, Hass und Ressentiments zwischen Gemeinschaften unterschiedlichen Glaubens zu schüren. „Sie sind ein Krebsgeschwür für interreligiöse Beziehungen und ruinieren das Image des Landes“, sagte Channan gegenüber einer katholischen Nachrichtenagentur. 

Der Priester arbeitet seit Jahren eng mit führenden islamischen Religionsvertretern zusammen, um Frieden und Harmonie zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens zu schaffen. „Wir müssen diejenigen entlarven, die durch die Verbreitung falscher Nachrichten Chaos verursachen wollen.“ Channan stritt nicht ab, dass es religiöse Minderheiten in Pakistan schwer haben. „Es gibt Anschläge auf Kirchen und Übergriffe auf Mitglieder religiöser Minderheiten. Alarmismus ist aber schädlich. Wir müssen uns auf die Wahrheit verlassen können. Falschmeldungen sind kontraproduktiv und schaden vor allem den Minderheiten selbst.“

erschienen in Ausgabe 7 / 2021: Entwicklung wohin?

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