Mitglieder der Bauernvereinigung El Barzón schmeißen Anfang 2014 Bohnen und Getreide gegen das Wirtschaftsministerium in Mexiko-Stadt. Sie protestieren gegen niedrige Preise und die Bevorzugung von multinationalen Konzernen.

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Kein Schutz mehr für Mexikos Bauern

Bis in die 1990er Jahre prägte gemeinschaftlicher Landbesitz die mexikanischen Dörfer. Doch die neoliberale Wirtschaftspolitik und das organisierte Verbrechen haben bewährte Strukturen zerstört. 

Den indigenen und bäuerlichen Dorfgemeinden in Mexiko, sagt Ana de Ita, „wurde in den vergangenen Jahrzehnten der Boden unter den Füßen weggezogen“. Sie ist Direktorin des kleinen unabhängigen Studienzentrums für den Wandel im Mexikanischen Landbau (Ceccam) mit Sitz in Mexiko-Stadt und hat die Entwicklung auf dem Land seit den 1990er Jahren mit zahlreichen Untersuchungen und Fallstudien kritisch verfolgt. 

Um ihre Aussage einordnen zu können, muss man wissen, dass Dorfgemeinden und Agrarverfassung in Mexiko untrennbar und auf besondere Weise miteinander verbunden sind. 56 Prozent des mexikanischen Territoriums befinden sich im Kollektivbesitz – zumindest auf dem Papier. Denn die nach der mexikanischen Revolution (1910 bis 1917) verabschiedete Verfassung verfügte die Aufteilung des Großgrundbesitzes und die Zuteilung von Boden an vertriebene oder landlose Bauern innerhalb neu zu schaffender Agrareinheiten, der sogenannten Ejidos. Außerdem wurden die kollektiven Landrechte der indigenen Gemeinden bekräftigt. Nach offiziellen Angaben existieren heute etwa 29.500 Ejidos und gut 2500 indigene Agrargemeinden. Sie nutzen den überwiegenden Teil des Bodens kleinbäuerlich und gemeinsam. Oft handelt es sich dabei um ausgedehnte Waldflächen und Quellgebiete. Für den individuellen landwirtschaftlichen Anbau werden Parzellen zugeteilt. Selten überschreiten sie die Größe von fünf Hektar. 

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erschienen in Ausgabe 11 / 2021: Leben im Dorf

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