Religion
o_jo_kirche_rok_gettyimages-1237809938.jpgOrthodoxer Gottesdienst zum Dreikönigsfest am 18. Januar in Gondar in Äthiopien.

AFP via Getty Images/EDUARDO SOTERAS

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Die Ukraine-Krise strahlt auf Afrikas Orthodoxe aus

Die russisch-orthodoxe Kirche hat Ende Dezember erklärt, sie wolle künftig auch für die orthodoxen Christen in Afrika zuständig sein. Hintergrund ist der Streit um die Loslösung der Orthodoxen Kirche der Ukraine vor vier Jahren. Die Orthodoxie in Afrika ist gespalten. 

Die orthodoxe Kirchengeschichte ist voll von Schismen, Abspaltungen und gegenseitigen Anfeindungen. Dass aber eine Kirche weitab der eigenen Gefilde und ohne historische Bezüge einer anderen Kirche Priester und Bischöfe abspenstig macht, kommt nicht so häufig vor. Ende Dezember hat nun das Moskauer Patriarchat angekündigt, ein eigenes Exarchat, also einen eigenen Verwaltungsbereich, für Afrika zu gründen. Dies sei eine Folge der Anerkennung der Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU) durch das Patriarchat Alexandria in Ägypten. 

Im Herbst 2018 hatte der ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., der als Primus inter Pares der weltweiten Orthodoxie vorsteht, der Orthodoxen Kirche der Ukraine die sogenannte Autokephalie zugestanden. Damit wurde die bisher zur russisch-orthodoxen Kirche (ROK) gehörende Kirche selbstständig. Seither herrscht Streit zwischen den einzelnen orthodoxen Kirchen, ob dies mit dem kanonischen Recht vereinbar ist. Wortführer der Kritiker ist die russische Orthodoxie. Doch einige Kirchen, darunter das Patriarchat von Alexandria, haben die Orthodoxe Kirche der Ukraine als eigenständig anerkannt. 

Vorwurf des "Neokolonialismus"

Dass die russisch-orthodoxe Kirche jetzt einen afrikanischen Verwaltungsbereich gegründet habe, sei eine direkte Folge dieser Anerkennung einer selbstständigen Kirche der Ukraine, sagte Metropolit Hilarion, der im Moskauer Patriarchat für die Außenbeziehungen zuständig ist. In einer „Situation des kanonischen Chaos“, welche vom ökumenischen Patriarchat verursacht worden sei, sei man „zu unkonventionellen Methoden gezwungen“. Wenn Alexandria etwas zur Ordnung beitragen wolle, solle es die Anerkennung zurücknehmen. 

Autorin

Katja Dorothea Buck

ist Religionswissen- schaftlerin und Journalistin in Tübingen.
Das alexandrinische Patriarchat, das bisher für die rund 80.000 orthodoxen Christen in Afrika offiziell zuständig ist, wirft der russisch-orthodoxen Kirche „Neokolonialismus“ vor. Ihr gehe es nicht um die Wiederherstellung des kanonischen Rechts, sondern darum, ihren Machtanspruch weltweit auszubauen, heißt es in einer Stellungnahme. 

Ruf nach "afrikanischer Lösung"

Für etliche afrikanische Priester und Bischöfe hat es offenbar seinen Reiz, sich unter das Dach der wesentlich finanzkräftigeren russischen Kirche zu begeben. Bis Ende Januar hatten sich nach Auskunft des für das afrikanische Exarchat zuständigen Metropoliten Leonid bereits mehr als 150 Priester und Bischöfe aus zwölf Ländern mit ihren Gemeinden und Diözesen für eine Aufnahme in die ROK beworben. Man wolle sich um die seelsorgerliche Betreuung der afrikanischen Geschwister kümmern und in die humanitäre und soziale Arbeit investieren, in Bildung und medizinische Dienste, sagte Metropolit Leonid einem russischen Sender. 

Die übergetretenen Priester und Bischöfe begründen ihre Entscheidung damit, dass sie die Anerkennung der Orthodoxen Kirche der Ukraine für unzulässig halten. Doch es gibt auch einige kritische Stimmen. So schreibt etwa Bischof Neofitos Kongai aus Kenia, der weiter zu Alexandria hält, in einem langen Brief an seine moskautreuen Kollegen: „Moskau hat Euch nicht die Priesterweihe verliehen. Es ziehen Euch doch keine theologischen, historischen oder geistlichen Fragen zu Russland hin, sondern der Hunger und die Armut. Unsere Probleme in Afrika hängen nicht damit zusammen, zu welchem Patriarchat wir gehören.“ Es brauche eine afrikanische Lösung, heißt es in dem Brief, den Kongai Mitte Januar auf Facebook postete. Die Kollegen sollten ihre Aufnahmeanträge zurückziehen und nicht schwarze Russen werden. 

erschienen in Ausgabe 3 / 2022: Tod und Trauer

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