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 Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) arbeitet in Benin mit privaten und öffentlichen Akteuren in Benin zusammen, zum Beispiel in der Bildungsarbeit.

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Hilfe aus einem Guss?

Die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) legt zum 1. September die Abteilungen der Entwicklungshilfe und der humanitären Hilfe zusammen. Das Onlineportal Swissinfo berichtete im Januar über die Reform. Eine offizielle Stellungnahme der Regierung dazu gab es bisher nicht. Das Außendepartement EDA bestätigt die Zusammenlegung der Auslandshilfen jedoch auf Anfrage: Ziel der Reorganisation sei es, dass die DEZA ihr Mandat „effektiver und effizienter erfüllen“ und „zur Umsetzung der Agenda 2030 optimal beitragen“ könne.

Die engere Zusammenarbeit zwischen Entwicklungshilfe und humanitärer Hilfe entspricht einem internationalen Trend. Das EDA folgt dabei nach eigenen Angaben Empfehlungen etwa der Vereinten Nationen (World Humanitarian Summit 2016) und des Entwicklungsausschusses der OECD. Für die Zusammenarbeit mit Mali beispielsweise gab es in Bern bisher zwei Anlaufstellen, eine für die humanitäre Hilfe und eine für die Entwicklungszusammenarbeit. In Zukunft gibt es nur noch eine Stelle, die die verschiedenen Instrumente zusammenführt. Die Kooperationsbüros vor Ort – in diesem Beispiel in Malis Hauptstadt Bamako – bleiben erhalten, erklärt das EDA.   

Ein Sparauftrag sei mit der Reform nicht verbunden, und die Kredite der beiden Auslandhilfen würden nicht zusammengelegt. Der Etat für die Entwicklungszusammenarbeit betrug letztes Jahr rund 1,7 Milliarden Franken, der für humanitäre Hilfe 610 Millionen. Obschon die Beträge jährlich schwanken, ist der Anteil der Entwicklungshilfe stets deutlich größer. 

Alliance Sud: "Ein Schritt in die richtige Richtung"

René Holenstein, der über 20 Jahre für die DEZA vorwiegend in der humanitären Hilfe gearbeitet hat und zuletzt Schweizer Botschafter in Bangladesch war, steht der Reform kritisch gegenüber. Dass die Auslandhilfen der Schweiz enger zusammenarbeiten sollen, begrüßt er zwar. Er findet aber: „Ich sehe nicht ein, dass man etwas reorganisieren muss, das funktioniert.“ In der DEZA habe es in den letzten 15 Jahren schon so manche Reorganisation gegeben, unter anderem wurde sie straffer ans EDA angebunden. „Für die Verlässlichkeit der internationalen Zusammenarbeit sind so viele Reorganisationen nicht förderlich“, findet Holenstein, der heute im Vorstand des Hilfswerks Helvetas tätig ist. Er befürchtet, dass die humanitäre Hilfe wieder wie in den 1970er Jahren bloß auf Soforthilfe reduziert werde. Diese wird durch das Schweizerische Korps für humanitäre Hilfe (SKH) und die Rettungskette erbracht. Humanitäre Hilfe werde heute aber viel breiter gefasst, hält er fest. So gehöre auch Prävention dazu: In Bangladesch zum Beispiel habe die Schweiz beim Bau von Unterkünften geholfen, die vor Naturkatastrophen schützen. 

Kristina Lanz von Alliance Sud findet die Reform der DEZA dagegen einen Schritt in die richtige Richtung: „Eine engere Koordination zwischen der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe macht durchaus Sinn.“ Es gebe immer mehr lange dauernde Konflikte, zudem profitiere die humanitäre Hilfe schon heute davon, wenn es dank der Entwicklungszusammenarbeit gut etablierte Kontakte gebe. Die von Alliance Sud vertretenen Organisationen sind vorwiegend in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. 

Lanz befürchtet, dass durch das Zusammenlegen der Abteilungen in der DEZA die Prioritäten in Richtung humanitärer Hilfe verschoben werden könnten. Diese ist bei rechten Parteien in der Schweiz beliebter als die Entwicklungszusammenarbeit. „Langfristige Entwicklungszusammenarbeit ist extrem wichtig“, sagt Lanz. Ihre Organisation möchte deshalb ein kritisches Auge darauf halten, dass diese auch in Zukunft von Bedeutung bleibt. 

erschienen in Ausgabe 7 / 2022: Das Zeug für den grünen Aufbruch

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