Mehr Geld für Afrika

Kurz vor Weihnachten überraschte Österreichs Bundesregierung mit der Meldung, sie werde die Hungerhilfe für Ostafrika erheblich aufstocken: um sieben Millionen Euro. Zwei Millionen Euro davon gehen an Hilfsorganisationen.

Entwicklungsfachleute führen diesen Erfolg auch auf die teils scharfe Kritik und den dadurch entstandenen Mediendruck zurück. Max Santner vom Roten Kreuz hatte im September die österreichische Hilfe als „nur mehr peinlich“ bezeichnet. Die bis dahin aus öffentlichen Geldern bereitgestellten 1,3 Millionen Euro seien im internationalen Vergleich ein „Micky-Maus-Betrag“. Vergleichbare Länder wie Finnland hatten das Zehnfache zugesagt. Offenbar fanden sich daraufhin im Finanzministerium doch noch freie Mittel. Staatssekretär Wolfgang Waldner, im Außenministerium (BmeiA) unter anderem für Europa und Entwicklungshilfe zuständig, berichtete jedenfalls von einer erfolgreichen Vorsprache bei seiner Parteikollegin Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP). Sie will fünf Millionen Euro über multilaterale Organisationen nach Ostafrika schicken. Weitere zwei Millionen Euro wurden dem chronisch unterdotierten Auslandskatastrophenfonds entnommen.

Autor

Ralf Leonhard

ist freier Journalist in Wien und ständiger Korrespondent von "welt-sichten".

Die Verantwortlichen jener zehn Hilfsorganisationen, die bei der Austrian Development Agency (ADA) für humanitäre Hilfe akkreditiert sind, wurden schon Anfang Oktober informiert. Sie sollten bis Mitte November Projekte für die Hungergebiete über mindestens 400.000 Euro einreichen. Ausgewählt wurden schließlich Anträge von CARE Österreich, Caritas, dem Roten Kreuz und Licht für die Welt. Gemeinsam mit Staatssekretär Waldner haben sie ihre Projekte am 15. Dezember der Presse vorgestellt. Der Auftritt war von Harmoniesucht geprägt, die Vertreter der Hilfsorganisationen übertrafen einander geradezu in Lobeshymnen für Waldner. Der wies allerdings darauf hin, dass man aus dieser Aufstockung der Katastrophenhilfe keine Trendwende in der entwicklungspolitischen oder humanitären Hilfe ableiten dürfe. Die über die ADA kanalisierten Gelder werden nach dem gültigen Budgetplan bis 2014 weiter kontinuierlich sinken. Erst für 2015 wird eine sachte Trendwende in Aussicht gestellt.

Die Kriterien für die Auswahl der Projekte sind undurchsichtig

Die Projekte der Hilfsorganisationen am Horn von Afrika sollten nach den Vorgaben des Außenministeriums zur unmittelbaren Hungerlinderung beitragen und zugleich längerfristige Entwicklungsmaßnahmen enthalten. Welche Kriterien aber bei der Auswahl der geförderten Projekte letztlich zugrunde gelegt wurden, ist für die Betroffenen nicht ganz durchsichtig. Die „Jugend Eine Welt – Don Bosco Aktion Österreich“ hatte ebenfalls ein Projekt eingereicht, das Nahrungsmittel- und Wasserverteilung mit langfristiger Vorsorge wie Bewässerung und Saatgutspenden kombinierte. Geschäftsführer Reinhard Heiserer ist davon überzeugt, dass die starke Vorortstruktur der Projektpartner in Äthiopien über das Ordensnetzwerk der Salesianer ein wichtiges Plus gewesen wäre. Außerdem habe man Empfehlungsschreiben des UNHCR und der äthiopischen Flüchtlingsorganisation ARRA vorlegen können. Das Außenministerium lehnte das Projekt dennoch mit der Begründung ab, die nachhaltige Wirkung außerhalb der Lager sei „nicht ausreichend dargestellt“.

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