Gegen die immer gleichen Afrikabilder

“Ke Nako Afrika – Afrika jetzt!“ heißt eine im Dezember lancierte Initiative, die im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika das Image des Kontinents in Österreich verbessern soll. Daran beteiligt sind nichtstaatliche Gruppen ebenso wie die Regierung.

„Wer dich nicht kennt, wird dich nicht schätzen.“ Mit diesem afrikanischen Sprichwort begründet die Generaldirektorin der Austrian Development Agency (ADA), Brigitte Walchshofer-Öppinger, die Beteiligung der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit an „Ke Nako Afrika“. Die Initiative will während der ersten Jahreshälfte 2010 bis zum Ende der WM am 11. Juli mittels einer Vielzahl von Aktionen die Vielfalt des afrikanischen Kontinents aufzeigen. „Die Stereotypen sitzen tief“, weiß Walchshofer-Öppinger – nicht zuletzt, weil von den Boulevardmedien und vielen Politikern Afrikaner oft pauschal als Drogendealer dargestellt werden. Es wird, so verspricht die ADA-Direktorin, auch etwas mehr Geld für die entwicklungspolitische Bildungsarbeit locker gemacht. Insgesamt hat die ADA im Rahmen dieser Afrika-Initiative 1,2 Millionen Euro für dreißig von nichtstaatlichen Organisationen eingereichte Projekte bewilligt. Zudem schickt die Agentur einen Afrika-Container auf Informationstour durch Österreich.

Thomas Bauer vom Institut für Publizistik an der Universität Wien bietet anlässlich der Initiative eine Lehrveranstaltung zu interkulturellem Journalismus an, in der die österreichische Medienberichterstattung zu Afrika analysiert wird. In Kooperationen mit den Universitäten von Addis Abeba und Kampala versucht Bauer schon längere Zeit, „die Menschen einzubinden, nicht nur als Objekte zu betrachten“. In den Seminaren sollen jetzt österreichische Studierende mit Kollegen in Äthiopien und Uganda in Kontakt treten und Artikel schreiben, die sich von den gängigen Stereotypen lösen. Die besten Arbeiten werden in der konservativen Tageszeitung „Die Presse“ veröffentlicht. Auch der Kultursender Ö1 hat sich als Medienpartner angeboten.

Der aus Ruanda stammende Alexis Neuberg, der im vergangenen Jahr die Afrika-Vernetzungsplattform mit gegründet hat, will während der WM Fanzonen in österreichischen Städten organisieren, in denen vor und zwischen den Spielen Informationen angeboten und die afrikanischen WM-Teilnehmer vorgestellt werden sollen. Neuberg sagt, er sei es leid, dass Afrikaner immer nur in Zusammenhang mit Armut, Kriminalität und Asylmissbrauch gesehen würden. Während der WM sollen in ganz Österreich Afrika-Festwochen dazu beitragen, dieses Bild zu korrigieren. Die Vernetzungsplattform vereint afrikanische Gemeinschaften in allen größeren Städten Österreichs und hat die Bekämpfung von stereotypen Darstellungen afrikanischer Wirk-lichkeit sowie die Bewußtseinsbildung für die Lebenssituation von Afrikanern in Österreich zum Ziel.

Das Wiener Institut für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit (vidc) beteiligt sich als Kontakt- und Koordinationsstelle an „Ke Nako Afrika“ und vermittelt Künstlerinnen und Künstler für Veranstaltungen, Konzerte und Kunstprojekte. Bella Bitugu, der im vidc für Sport und Entwicklung zuständig ist, erhofft sich von der Kampagne bleibende Effekte: „Wir wollen diese WM gewinnen, und wir wollen, dass etwas übrig bleibt für Afrika und für Europa.“

erschienen in Ausgabe 2 / 2010: Der Mensch als Ware