Dilemma in Mali

Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) soll einen Plan vorlegen, wie sie gegen die Islamisten vorgehen will, die den Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht haben. Bei der Linkspartei löst das den gewohnten antimilitärischen Reflex aus. Andererseits sind die Erfolgsaussichten für einen solchen Einsatz tatsächlich nicht besonders gut.

„Krieg ist und bleibt keine Lösung“ – so hat die Fraktion der Linken im Bundestag Überlegungen in der Europäischen Union kommentiert, sich an einer Militärmission in Mali zu beteiligen. Wer wollte diesem Stoßseufzer schon widersprechen? Ein durchdachter Einwand gegen eine Intervention in dem Sahel-Staat ist das allerdings nicht. Es ist die übliche bequeme Ideologie: Der Krieg in Afghanistan, George Bushs „shock and awe“-Terror im Irak, Militärausbilder aus Brüssel in Mali – die Linke nennt das alles in einem Atemzug. Nach dem Motto: Wer Soldatenstiefel an den Füßen hat, von dem ist nur Unheil zu erwarten.

Autor

Tillmann Elliesen

ist Redakteur bei "welt-sichten".

Ebenso dürftig ist das Argument, alle diese Kriege dienten „vor allem der Interessensabsicherung der Industriestaaten“. Natürlich sind Europa und die USA an einem stabilen Mali interessiert. Vor allem aber die westafrikanischen Nachbarn fürchten, die Islamisten könnten sich dauerhaft im Norden des Landes festsetzen. Die ECOWAS bearbeitet die malische Regierung seit Wochen, der Stationierung von Soldaten aus dem afrikanischen Ausland zuzustimmen. Die Angst vor einem zweiten Somalia ist groß in der Region.

Apropos Somalia: Am Horn von Afrika atmen derzeit viele Leute auf, weil Soldaten aus Uganda, Burundi und vor allem Kenia die islamistischen Milizen im vergangenen Jahr immer weiter zurückgedrängt haben. Die Chancen für einen Neubeginn waren in dem geschundenen Land schon lange nicht mehr so gut wie heute.

Das malische Militär lehnt ausländische Soldaten ab

Die Kriegsgegner von der Linkspartei machen es sich zu einfach. Dabei liegen die Einwände gegen eine Intervention in Mali auf der Hand. Das Land ist tief gespalten, die Machtübernahme der Islamisten im Norden mischt sich mit der Rebellion der Tuareg-Nomaden, die sich seit Jahrzehnten missachtet fühlen. Die Übergangsregierung in der Hauptstadt Bamako, die seit dem Putsch im März am Ruder ist, hat keine Legitimation. Das malische Militär glaubt, es wird alleine mit der Situation fertig, und lehnt ausländische Soldaten ab. Die wichtigen Nachbarländer Algerien und Mauretanien sind ebenfalls skeptisch.

Die ECOWAS steht vor einem Dilemma: Es ist schwer vorstellbar, dass die Islamisten gewaltfrei das Feld räumen. Aber die Gefahr ist groß, dass ein Militäreinsatz nur zusätzliches Öl ins Feuer gießen würde. 

erschienen in Ausgabe 11 / 2012: Die Wirtschaft entwickeln

Kommentare

Lieber Herr Elliesen,

Also, wenn ich Sie recht verstehe, "die Kriegsgegner von der Linkspartei machen es sich zu einfach" - ok. Aber Sie machen es sich auch nicht gerade einfach!? Sie tun so, als ob Sie eine andere Idee hätten, und kommen doch am Ende zum selben Schluss: "...die Gefahr ist groß, dass ein Militäreinsatz nur zusätzliches Öl ins Feuer gießen würde". Aber worin besteht denn nun der Unterschied? Oder wolllen Sie doch lieber in den krieg ziehen und es nur nicht sagen...
beste grüsse - a. hopfmann

Hallo A. Hopfmann,

besten Dank für Ihren Kommentar. Der Unterschied zwischen der Position der Linkspartei und meiner ist ganz einfach: Die Linke lehnt Militäreinsätze pauschal ab, ich nicht. Aus Sicht der Linken bringen Soldaten stets nur Unheil und verschärfen Konflikte - sei es in Afghanistan, sei es im Irak, sei es in Mali. Ich dagegen finde, dass man sich jeden Fall einzeln genau anschauen muss. Erst dann kann man entscheiden, ob und inwiefern Soldaten dazu beitragen können, einen Gewaltkonflikt zu entschärfen. In Mali bin ich da im Moment eher skeptisch. Aber vielleicht ändern sich die Bedingungen dort ja in den kommenden Monaten, so dass ein Einsatz mehr Aussicht auf Erfolg hat.

Beste Grüße, Tillmann Elliesen

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