Wegweisende Notlösung

Flüchtlingspolitik
Seit Kurzem erlaubt die thailändische Regierung Geflüchteten aus Myanmar, offiziell im Land zu arbeiten. Gut so: Das hilft den Geflüchteten ebenso wie der Wirtschaft des Landes.

Barbara Erbe ist Redakteurin bei welt-sichten.

Der Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha bedroht nicht nur das Leben vieler Menschen. Er hat auch dazu geführt, dass die meisten kambodschanischen Arbeitsmigranten, die rund 12 Prozent  der thailändischen Erwerbsbevölkerung ausmachen, in ihre Heimat zurückgekehrt sind und jetzt in Landwirtschaft, Hotels oder Fabriken fehlen . Gleichzeitig muss Thailand damit klarkommen, dass die Trump-Regierung die USAID-Unterstützung für die neun großen Flüchtlingslager im Land, in denen vor allem Karen aus Myanmar Schutz vor den Übergriffen des dortigen Militärs suchen, radikal zusammengestrichen hat. 

Die aus der Not geborene Reaktion der thailändischen Regierung auf diese Situation könnte nun wegweisend auch für andere Weltregionen sein: Seit Ende August 2025 dürfen registrierte Flüchtlinge im Rahmen eines einjähriges Pilotprogramms erstmals legal in Thailand arbeiten. 

Arbeitende Flüchtlinge dürfen die Lager verlassen

Jahrzehntelang hatte die Regierung Geflüchteten legale Arbeit, Bewegungsfreiheit und den Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen verwehrt, so dass diese weitgehend auf ausländische Hilfe angewiesen waren – die nun kaum noch kommt. Jetzt können Landwirte, Hotelbetreiber und andere Arbeitgeber Geflüchtete anstellen, um beispielsweise in den Fabriken im Norden oder auf Zuckerrohrplantagen zu arbeiten, Obst zu pflücken oder in Hotelküchen auszuhelfen. Dazu dürfen die arbeitenden Flüchtlinge erstmals offiziell ihre Lager verlassen und erhalten Ausweispapiere und Zugang zu Bankdienstleistungen, damit sie Geld an ihre Familien in den Lagern überweisen können.

Das ist für die Arbeitenden noch immer nicht perfekt, denn ihre Familien müssen nach wie vor in den Lagern bleiben. Aber es verbessert ihre Situation beträchtlich – nicht nur materiell, sondern auch, weil es ihnen Wege eröffnet, sich produktiv in die Gesellschaft einzubringen, in der sie teils seit Jahrzehnten isoliert und abhängig von humanitären Organisationen leben, die sich um Essen, Gesundheit und Schulbildung kümmern. Erste Erfahrungen mit der neuen Situation zeigen: Wenn Geflüchtete regulär arbeiten dürfen, profitieren sie selbst ebenso wie die Gesellschaft, in die sie sich einbringen. Allen tut gut, Migration als Chance und Bereicherung zu sehen und nicht vorrangig als etwas, das es abzuwehren gilt. 

Natürlich gibt es Probleme, die angegangen werden müssen: Der bürokratische Aufwand für Arbeitgeber, eine Genehmigung für die Einstellung von Flüchtlingen zu erhalten, ist hoch, Sprachtraining ist wichtig, und die Arbeitsbedingungen sollten nicht ausbeuterisch sein. Aber ein gutes Signal ist die neue Gesetzgebung allemal – nicht nur in Thailand. 

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