Medikamentenforschung lässt Afrika aus

Gesundheit
Dass Afrika ein Fünftel der Weltbevölkerung stellt und ein Viertel der weltweiten Krankheitslast trägt, spiegelt sich in der medizinischen Forschung kaum wieder, zeigt eine aktuelle Übersicht.

Von den 2138 klinischen Studien, die von 2019 bis 2024 in führenden allgemeinmedizinischen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, wurden nur 83 und damit noch nicht einmal vier Prozent ausschließlich in Afrika durchgeführt; an 195 und, rund neun Prozent, war mindestens ein afrikanischer Standort beteiligt. Das ist das Ergebnis der Übersichtsstudie eines internationalen Forscherteams im Auftrag der Amerikanischen Gesellschaft für Kardiologie (ACC). Das Team um den Biomediziner Bamba Gaye betont, dass die schwache Repräsentation Afrikas die weltweite Gültigkeit der Ergebnisse deutlich schmälert. 

Viele Medikamente und Behandlungsmethoden, die in Afrika angewandt werden, beruhen demnach auf Erkenntnissen, deren Geltung für die Menschen der Region nicht belegt ist. Denn das Genom, Umwelt und Ernährung können die Reaktion des Körpers auf ein Medikament oder eine Behandlung grundlegend verändern. So betont die Studie, dass Menschen afrikanischer Herkunft, die Blutdruckmedikamente einnehmen, im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen ein drei- bis viermal höheres Risiko für schwere, lebensbedrohliche Nebenwirkungen haben.

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Von den in Studien, die in Fachzeitschriften speziell für Herz-Kreislauf-Gesundheit erschienen sind, wurden sogar nur 0,6 Prozent ausschließlich in Afrika durchgeführt, meist in Südafrika. Afrikanische Standorte waren hier nur in 2,7 Prozent der Kontinente übergreifenden Studien vertreten. Das Forscherteam fordert, die afrikanische Beteiligung an globalen Studien auszuweiten und in lokale Forschungskapazitäten zu investieren. 

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