Unternehmen, die im sogenannten informellen Sektor arbeiten, sind nirgendwo registriert, bieten ihren Beschäftigten weder Kündigungsschutz noch andere soziale Sicherung, und sie zahlen in der Regel auch keine Steuern. Das wird in der Debatte um wirtschaftliche Entwicklung in Afrika oft als unerwünschte Abweichung von einer Norm verstanden, die korrigiert werden müsse.
In einem Politikpapier weist die US-amerikanische Denkfabrik Brookings dieses Denken zurück: Informalität sei in vielen afrikanischen Ökonomien die beste Strategie, unternehmerisch tätig zu werden. Denn zu den Merkmalen dieser Ökonomien gehören ein schwieriger Zugang zu Investitionskapital und zu Versicherungen, eine unzuverlässige Infrastruktur, etwa häufige Stromausfälle und schlechte Transportwege, und ein hoher Stellenwert von Verwandtschaftsbeziehungen, etwa für die Rekrutierung von Arbeitskräften.
Laut der Internationalen Arbeitsorganisationen ILO, auf die sich Brookings bezieht, entfallen 86,3 Prozent aller Jobs in Afrika auf den informellen Sektor. Diese präzise Zahl macht stutzig, denn eigentlich gehört es doch zum Wesen von Informalität, dass sich so etwas nicht genau bestimmen lässt. Das Spektrum informellen Wirtschaftens reicht vom Ein-Personen-Betrieb in der Subsistenzlandwirtschaft bis hin zu dynamischen Kleinunternehmen mit Angestellten und hohem Wachstumspotenzial. Laut der Studie sind fast drei Viertel aller Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Afrika im informellen Sektor tätig.
Formalisierung muss sich auszahlen
Häufig wird die fehlende Formalisierung als Hindernis dafür gesehen, dass die Unternehmen ihr Potenzial ausschöpfen. Brookings argumentiert umgekehrt: Viele informelle Unternehmen seien sehr produktiv. Es gehe darum, die Bedingungen so zu verändern, dass sie zunächst in der Informalität wachsen können. Die Formalisierung, also etwa die Registrierung bei staatlichen Behörden, folge dann häufig von selbst. Zwinge man informelle Unternehmen hingegen, sich zu registrieren, gesetzliche Vorgaben einzuhalten sowie Steuern und Versicherungen zu zahlen, bewirke oft das Gegenteil und würge ihr Potenzial ab.
Mit anderen Worten: Die Formalisierung müsse sich für ein Unternehmen auszahlen, etwa in Form eines besseren Zugangs zu Kapital und zu Rechtsschutz bei Vertragsstreitigkeiten. Das Politikpapier schließt mit dem Hinweis, es gehe nicht darum, die informelle Wirtschaft „zu romantisieren“. Es gelte lediglich „die Fähigkeit von Millionen von Afrikanern anzuerkennen, als Unternehmer, Produzenten und Arbeitnehmer zu agieren, deren Potenzial jedoch ständig durch die Arbeitsbedingungen eingeschränkt wird“.
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