Für das evangelische Entwicklungswerk Brot für die Welt war 2025 finanziell eigentlich ein gutes Jahr. Die Einnahmen lagen bei knapp 342 Millionen Euro, 9,4 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Dabei machten kirchliche Mittel (gut 66 Millionen Euro) sowie Spenden und Kollekten (knapp 73 Millionen Euro) mehr als 40 Prozent des Gesamthaushalts aus. Die Bundesmittel lagen mit 177 Mio. Euro (53 Prozent des Gesamthaushalts) um 9,3 Millionen höher als im Vorjahr, davon kommen der Großteil – 152 Millionen Euro – aus dem Kirchentitel des Entwicklungsministeriums und weitere gut 16 Millionen von Engagement Global.
Der Anstieg bei den Bundesmitteln dürfe allerdings nicht falsch interpretiert werden, warnte Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt, bei der Vorstellung der Bilanz am 23. Juli in Berlin. Bei dem Plus handele es sich laufende Verpflichtungen durch Zusagen aus den Vorjahren. Projekte würden in der Regel über mehrere Jahre bewilligt, ausgezahlt werde aber nach Projektfortschritt. In Hinblick auf die geplanten Kürzungen des Bundeszuschusses werde Brot für die Welt langfristig weniger Projekte finanzieren können. „Wir schauen uns gerade alle Projekte in allen Ländern an und werden uns aus einzelnen zurückziehen müssen“, sagte Pruin und nannte Vietnam als Beispiel. Wirtschaftlich habe sich dieses Land gut entwickelt. „Andere Länder brauchen unsere Unterstützung dringender.“ Angesichts der harten Einschnitte im Entwicklungsetat der Bundesregierung sei sie dankbar, dass die Mittel von Spendern, Kirchengemeinden und Kirchen stabil blieben.
"Hunger ist eine Frage von Macht und Prioritäten"
2025 förderte Brot für die Welt 3000 Projekte in fast 80 Ländern, davon 816 in Afrika und 691 in Asien und dem Pazifik. Rund 90 Prozent der Mittel flossen direkt in Entwicklungsprojekte, vor allem in Ernährungssicherung und Armutsbekämpfung. Durch Corona, den Krieg in der Ukraine und jetzt den Irankrieg habe die Welt innerhalb von sechs Jahren drei Ernährungskrisen erlebt, sagte Pruin. „Hunger ist kein Schicksal, sondern eine Frage von Macht und Prioritäten.“ Es sei genug für alle da. Das Problem sei das weltweite Ernährungssystem.
„Auf der Hälfte aller Ackerflächen weltweit werden Soja, Weizen, Reis und Mais industriell angebaut“, erläuterte Francisco Marí, Referent für Welternährung bei Brot für die Welt. Für möglichst hohe Erträge sei die industrielle Landwirtschaft auf den Import von chemischem Dünger angewiesen. Entsprechend groß sei die Abhängigkeit von funktionierenden Lieferketten. „Unsere Partner zeigen, dass es vielversprechende Alternativen gibt“, sagte Marí In Projekten in Burkina Faso, Senegal, Nepal oder Brasilien würden jetzt zum Beispiel Hirse, Hülsenfrüchte und Obst angebaut sowie organischer Dünger lokal hergestellt. Auch seien viele Staaten mittlerweile offen für die Förderung von agrarökologischen Konzepten.
Dass die Bundesregierung die Agrarökologie nicht mehr wie bisher als strategisches Konzept im Koalitionsvertrag erwähne, sei ein deutlicher Rückschritt, kritisierte Pruin. „Wer heute an Hunger stirbt, stirbt an Ungerechtigkeit. Es braucht nicht weniger, sondern mehr internationale Zusammenarbeit.“
Seit 2023 wurde der deutsche Entwicklungsetat um fast ein Fünftel gekürzt, die Mittel für humanitäre Hilfe halbiert. Pruin kritisierte die Bundesregierung dafür scharf: „Das sind kurzsichtige Entscheidungen. Deutschland setzt dabei viel aufs Spiel.“
Auch das katholische Entwicklungswerk Misereor nutzte die Vorstellung der Zahlen von 2025 für einen politischen Appell: Angesichts weltweit zunehmender Konflikte und humanitärer Krisen müsse Deutschland seine Anstrengungen für Frieden, Prävention und Entwicklungszusammenarbeit deutlich verstärken, sagte Andreas Frick, Hauptgeschäftsführer von Misereor, Mitte Juli in Berlin.
Sicherheitspolitisch gefährliche Schieflage
2025 standen Misereor insgesamt 234 Millionen Euro zur Verfügung, davon 60 Millionen Euro aus Spenden und Kollekten und 161 Millionen aus Bundesmitteln. Weltweit unterstützt das Werk mehr als 1600 Partnerorganisationen in über 80 Ländern.
Frick warnte auch vor einer sicherheitspolitisch gefährlichen Schieflage zwischen steigenden Militärausgaben und sinkenden Mitteln für Armutsbekämpfung. „Die Zahl der Menschen, die durch bewaffnete Konflikte wie zum Beispiel im Nahen Osten, Sudan oder Kongo in den Hunger getrieben wurden, hat sich in den letzten Jahren nahezu verdoppelt“, sagte er und kritisierte die Prioritätensetzung der Bundesregierung. Frieden entstehe nicht allein durch militärische Abschreckung, sondern dort, wo Menschen Perspektiven haben, wo Hunger bekämpft werde und junge Menschen Bildung und Arbeit finden. Kürzungen im Entwicklungsetat seien „strategisch kurzsichtig. Wer hier kürzt, spart nicht an Nebensächlichkeiten. Er untergräbt genau jene Grundlagen, die langfristig Sicherheit ermöglichen“, sagte Frick.
Diese Einschätzung teilt auch Katrin Weidemann, die Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe, die bei der Vorstellung der Zahlen Ende Juni in Duisburg auf ein finanziell gutes Jahr zurückblicken konnte. „Das positive Jahresergebnis darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Rahmenbedingungen für internationale Organisationen zunehmend verschärfen. Rückläufige öffentliche Mittel und internationale Kürzungen machen es deutlich schwieriger, unsere Programme langfristig verlässlich zu finanzieren“, sagte Weidemann.
2025 konnte die Kinderrechtsorganisation ihre Gesamteinnahmen auf knapp 80 Millionen Euro steigern (plus 9 Prozent). Die Summe der Spenden ist mit gut 53 Mio. Euro auf hohem Niveau konstant geblieben, unter anderem Erträge aus Nachlässen sind leicht gestiegen. Nach eigenen Angaben hat die Organisation durch 462 Projekte in 34 Ländern die Lebensbedingungen von mehr als zwei Millionen Kindern verbessert. Unterstützt wurden lokale Partnerorganisationen, die Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Bildung und Teilhabe ermöglichen und sich für ihre Rechte einsetzen.

Neuen Kommentar hinzufügen