Bei der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) geht es um weit mehr, als die Ausweitung der Sandflächen zu stoppen. Das hat die 17. Konferenz der Vertragsstaaten der UNCCD, kurz Weltbodenkonferenz, in der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator im August vor Augen geführt: Dort berieten Delegierte von 197 Ländern über die zentrale Bedeutung von fruchtbaren Böden, ihren Erhalt und Wegen, sie wiederherzustellen. Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) hat an der Konferenz teilgenommen und sieht sich als führend in der Unterstützung für die Regeneration zerstörter Böden und bodenschonender Bewirtschaftung.
Etwa 40 Prozent des landwirtschaftlich nutzbaren Lands weltweit, einschließlich Weideland, leiden bereits unter Bodendegradation. Eindringlich mahnten die Ausrichter der jüngsten Weltbodenkonferenz, dass Dürren und Wasserknappheit sich rasant verbreiteten und der Schutz von Land und Böden als Ernährungs- und Lebensgrundlagen viel zu langsam vorankomme. Wenn auf kargen Böden nichts mehr wächst, folgen Migration und Vertreibung, warnte UNCCD-Geschäftsführerin Yasmine Fouadh. „Kommen noch Dürre, Klimawandel und der Verlust von Biodiversität hinzu, verschärft das die Wüstenbildung.“
In der Mongolei ist die Krise besonders spürbar. Etwa 70 Prozent der Landesfläche sind Gras- und Weideland, zum Beispiel für Kaschmirziegen, und mehr als drei Viertel davon sind laut UNCCD geschädigt. Auf Initiative der mongolischen Regierung hat sich die Weltbodenkonferenz auf einen Aktionsplan verständigt, der besonderes Augenmerk auf den Schutz von Weideland legen soll; weltweit leben dort zwei Milliarden Menschen und etwa die Hälfte des globalen Viehbestands. Ausgezehrtes Weideland lässt sich durch ein Zusammenspiel von Herdenmanagement, Bodenverbesserung und Bepflanzung regenerieren, so dass Wasserkreisläufe wiedergestellt, Humusaufbau gefördert und die Artenvielfalt der Gräser erhöht werden.
Degradation als Kostenfaktor
Um die Bedeutung von nachhaltiger Weidewirtschaft zu unterstreichen, hat das BMZ den Bericht „Rangelands Rising“ finanziert, erstellt von der deutschen Durchführungsorganisation GIZ und dem Internationalen Institut für Viehzucht (ILRI). Er rechnet Unternehmern betroffener Lieferketten – etwa Fleisch, Milch oder Leder – vor, wie lukrativ es sein könne, gegen die Degradation von Weideland zu kämpfen. Eine UNCCD-Vertreterin betonte, Degradation werde von Investoren und Kreditgebern zunehmend als Verlustrisiko erkannt. Obwohl das die Bereitschaft zur Schadensbegrenzung fördern sollte, trage der Privatsektor nur sechs Prozent der Ausgaben fürRestaurierung und Dürreresilienz bei.
Das BMZ möchte, dass der Privatsektor für den unterfinanzierten Kampf gegen Landverluste stärker als bisher in die Verantwortung genommen wird. Auf den Weltbodenkonferenzen seien zunehmend Unternehmen und Finanzinstitutionen vertreten, heißt es vom BMZ auf Anfrage. „Das ist eine wichtige Grundlage, um mehr private Investitionen in nachhaltige Landnutzung anzustoßen und Länder widerstandsfähiger gegen Klimaextreme, Ernährungskrisen und Störungen von Lieferketten zu machen“, sagt eine Sprecherin.
Investoren führen häufig an, es fehle an Projekten, die sowohl entwicklungspolitischen Nutzen hätten als auch Renditeerwartungen von Anlageverwaltern aufgriffen. Deshalb hat ILRI einen „Investment Hub“ aufgelegt, der lokale Vorhaben und Anleger zusammenbringen soll. Und die zentrale Privatsektor-Plattform der UN-Konvention, die maßgeblich von Deutschland unterstützte Business4Land-Initiative (B4L), zielt laut BMZ darauf ab, Risiken infolge von Landdegradation stärker in Unternehmenskonzepten zu berücksichtigen und anzugehen. „Dadurch sollen bis 2030 1,5 Milliarden Hektar Land wiederhergestellt und so zur Netto-Null-Landdegradation sowie zu mehr Dürreresilienz beigetragen werden“, heißt es aus dem Ministerium.
Zweifel, dass Unternehmen nennenswert in Bodenschutz investieren
Die Hoffnung ist, für Bodenschutz und die Wiederherstellung von großen Landflächen Partnerschaften zu schmieden zwischen Regierungen, die ein förderliches Umfeld schaffen, Unternehmen, die Innovation und Geld mitbringen, und Finanzinstituten, die Kapital freisetzen. An der B4L-Initiative wirkt von privater Seite unter anderem eine Unternehmenskoalition mit. Zu der gehören Konzerne wie der Lebensmittel- und Agrarrohstoffhändler Olam aus Singapur, die Luxusgütergruppe LVMH, der Bayer-Konzern sowie Vertreter der Finanz- und Versicherungssparte.
Doch es gibt große Zweifel, dass Unternehmen nennenswert in Bodenschutz und Dürreresilienz investieren und dabei die Lebensbedingungen von Kleinbäuerinnen und Pastoralisten fördern. „Ich sehe nicht, dass private Finanzierung in signifikantem Ausmaß für diese Investitionen zur Verfügung stehen wird“, sagt etwa Jes Weigelt vom entwicklungspolitischen Thinktank TMG. Er forscht über ein Jahrzehnt zu gerechter Land- und Wassernutzung in Afrika und sagt, er kenne keine empirischen Daten, die für diesen Bereich den Fokus des BMZ auf die Privatwirtschaft begründen würden.
Weigelt vermisst eine klare Strategie des BMZ, wie mit der begrenzten und bedrohten Ressource Land und den vielfältigen Ansprüchen an sie für Klima, Ernährung, Energie und Artenvielfalt umzugehen sei. So habe sich das Ministerium auf früheren Weltbodenkonferenzen für den Schutz von Landrechten sowie für die Einbeziehung der Zivilgesellschaft in die Verhandlungen eingesetzt, durchaus mit politischem Erfolg. „Aus meiner Perspektive die richtigen Ziele“, so Weigelt. Derzeit sei aber weder aus dem Reformplan des Ministeriums noch aus den Entscheidungen der jüngsten Konferenz erkennbar, wie es hier in Zukunft weitergehen solle. Anders über Land nachzudenken, sei im Kampf gegen den Klimawandel und für die Anpassung daran eine der zentralen Aufgaben unserer Zeit.
Neuen Kommentar hinzufügen