Ohne Kopftuch lernen

Muslimische Mädchen dürfen an katholischen Schulen in Kenia künftig kein Kopftuch mehr tragen. Laut dem Missionswerk missio in Aachen hat die Entscheidung auch mit der Profilsuche katholischer Einrichtungen in Ostafrika zu tun.

Man wolle damit niemanden diskriminieren und jeder sei an katholischen Schulen willkommen, sagte Bischof Maurice Crowley von der Diözese Kitale bei einer Pressekonferenz in Nairobi. „Es gibt aber Regeln und die müssen befolgt werden. Wenn jemand sein Kind in eine katholische Schule schicken will, dann muss er sich an diese Regeln halten“, sagte Crowley, der Vorsitzender der Kommission für Erziehung und Religionsunterricht in der Kenianischen Bischofskonferenz ist. Unter den Muslimen, die in Kenia rund zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen, sorgt das Kopftuchverbot für Unruhe. „Wir Muslime werden diese Haltung nicht akzeptieren“, sagte Scheich Khelef Khalifa, der Direktor von Muslime für Menschenrechte, in einem Interview mit dem ökumenischen Nachrichtendienst ENI.

Autorin

Katja Dorothea Buck

ist Religionswissen- schaftlerin und Journalistin in Tübingen.

Mit ihrem Beschluss setzen die Bischöfe einen vorläufigen Schlusspunkt in einer monatelangen Diskussion. In Einzelfällen waren muslimische Schülerinnen an katholischen Schulen bereits aufgefordert worden, ohne Kopftuch im Unterricht zu erscheinen. Die Eltern einer Schülerin waren dagegen vor Gericht gegangen, hatten aber verloren. Daraufhin hatten muslimische Geistliche die Regierung aufgefordert, Druck auf die katholischen Schulen auszuüben, was diese bisher aber nicht getan hat, da die Kleiderordnung an Schulen vom jeweiligen Betreiber festgelegt werden kann. Von den rund 15.000 Grundschulen in Kenia sind etwa ein Drittel in katholischer Trägerschaft, von den 3560 weiterführenden Schulen sogar die Hälfte. Die katholischen Privatschulen haben meist einen besseren Ruf als öffentliche Schulen.

Inwieweit die Entscheidung der Bischöfe den interreligiösen Dialog in Kenia gefährdet, bleibt abzuwarten. Muslimische Schüler an katholischen Schulen haben nach wie vor die Möglichkeit, ihre Gebete zu verrichten, sagt Frank Kraus, der Leiter der Auslandsabteilung beim Katholischen Missionswerk missio in Aachen und Kenner der kenianischen Kirchenszene. „Was das Kopftuchverbot betrifft, so gibt es da sicher Klärungsbedarf. Aber ich halte die Situation nicht für festgefahren“, meint Kraus. Die Kleiderordnung an den eigenen Schulen sei schon öfter Thema in der Bischofskonferenz gewesen. „Das taucht immer wieder auf. Mal geht es um Spaghetti-Träger, mal um Turnschuhe und jetzt eben um das Kopftuch muslimischer Mädchen.“

Hintergrund sei eine allgemeine Diskussion um das Profil von katholischen Einrichtungen, die derzeit in mehreren afrikanischen Ländern zu beobachten sei. „Es geht darum, was eine katholische Einrichtung ausmacht, wie das christliche Bekenntnis transportiert wird und durch welche Maßnahmen dies konterkariert werden kann“, sagt Kraus. Die Entscheidung der Bischöfe in Kenia müsse auch vor dem Hintergrund gesehen werden, dass der Islam in Ostafrika zunehmend selbstbewusst auftrete und auf Symbole wie Minarett und Kopftuch setze. Werbung für den Islam, der in Kenia vor allem an der Küste und im östlichen Landesteil verbreitet ist, überschreite nun auch ethnische Grenzen, was vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre, sagt Kraus. „Natürlich dürfen die Muslime das. Die christliche Mission hat das ja nicht anders gemacht. Es verstärkt aber die Diskussion um das eigene Profil.“ Ein Kopftuchverbot sehe die katholische Lehre im Zusammenleben mit dem Islam allerdings nicht vor.

erschienen in Ausgabe 10 / 2011: Globalisierung: Auf dem Weg zur Einheitskultur?

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