Hilfe ist erwünscht, Kritik nicht

Laos hat im Dezember die Programmleiterin des Hilfswerks Helvetas ausgewiesen. Anne-Sophie Gindroz soll in einem Brief die Menschenrechtslage kritisiert und eine „nicht förderliche Haltung gegenüber der Regierung“ gezeigt haben. Die Schweiz will das nicht kommentarlos hinnehmen.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wies die laotische Regierung gemeinsam mit weiteren Geberländern sowie Vertretern staatlicher Entwicklungsorganisationen darauf hin, dass die in Laos tätigen Organisationen auf Rahmenbedingungen angewiesen seien, die auch „kritisch-konstruktive Stimmen“ zulassen. Die laotische Regierung hat die Stellungnahme der  Schweiz, Australiens, Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Japans und den USA „zur Kenntnis genommen“ und laut EDA erklärt, in Laos müssten auch Vertreterinnen und Vertreter von internationalen NGOs die politischen und rechtlichen Gepflogenheiten einhalten.

Gleichzeitig äußerte sie ihre Wertschätzung für das Helvetas-Programm und wünschte dessen Weiterführung. Bei einem weiteren Treffen will die Schweiz eine politische Diskussion „über die Rolle der NGOs und insbesondere über deren Einschränkungen im laotischen Umfeld“ aufnehmen und über eine eventuelle Milderung der Maßnahme verhandeln. Für Anne-Sophie Gindroz kommt dies jedoch zu spät. Helvetas schließt eine Rückkehr der Programmleiterin nach Laos aus. Ihre Familie bleibt zwar noch bis zum Schulabschluss der ältesten Tochter im Land, für Gindroz wird aber eine neue Position gesucht.

Helvetas: Die Arbeit in Laos soll weitergehen

Sein Engagement in Laos will Helvetas aber fortsetzen. Der Einsatz für die Menschenrechte und benachteiligte Gruppen der Bevölkerung bleibe ein wesentlicher Bestandteil der Projektarbeit. „Die Risiken werden wir auch künftig je nach Situation abwägen“, sagte Sprecher Matthias Herfeldt. 
Auslöser für den Vorfall war laut „Radio Free Asia“ ein Schreiben von Gindroz an Geberländer und Hilfsorganisationen vor einem Treffen zur künftigen Hilfsstrategie für das Land. Darin habe sie erklärt, Laos sei „ein von einem Ein-Parteien-Regime regiertes Land, wo es nur wenig Raum für eine sinnvolle demokratische Auseinandersetzung gibt. Wer diese begrenzte Möglichkeit nutzen will, kriegt die negativen Folgen zu spüren“. Das laotische Außenministerium erklärte darauf, der Brief  zeige, dass Gindroz das politische System von Laos ausdrücklich ablehne und eine anti-laotische Kampagne führe. Es gab ihr 48 Stunden Zeit, das Land zu verlassen.

erschienen in Ausgabe 2 / 2013: Ägypten: Aufruhr und Aufbruch

Neuen Kommentar schreiben