Im Brennpunkt

Privatkapital für globalen Wandel?

Investoren achten bisher wenig auf Entwicklungsfragen
Investoren achten bisher wenig auf Entwicklungsfragen

2015 wollen die Vereinten Nationen eine weitreichende Entwicklungsagenda verabschieden. Können private Anleger dazu beitragen, die neuen Ziele zu erreichen? Auf einer Veranstaltung von „welt-sichten“ in Bonn wurden Chancen und Grenzen des Ansatzes deutlich. 

Armut und Hunger abschaffen, erneuerbare Energien ausbauen und die Landwirtschaft nachhaltig gestalten: Solche weitreichenden globalen Ziele dürften die Vereinten Nationen (UN) 2015 beschließen. Um sie zu erreichen, ist in Entwicklungsländern viel Geld nötig. Es soll laut einer Expertengruppe der UN aus öffentlichen wie aus privaten Quellen kommen – staatliche Mittel allein reichten nicht.

Welchen Beitrag sollte privates Kapital aus dem Norden leisten? Der Frage sind „welt-sichten“ und das Südwind Institut mit einer Veranstaltung in der Deutschen Welle in Bonn nachgegangen. Im Zentrum stand ein junges Phänomen: Institutionelle Anleger wie Anlage- oder Pensionsfonds, die treuhänderisch das Geld von Dritten anlegen, suchen ethisch vertretbare Investitionsmöglichkeiten. Und einige schauen nicht nur auf ökologische und soziale Kriterien wie die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen, sondern wollen auch Entwicklungswirkungen erzielen. Zum Beispiel sollen Investitionen kleinere Unternehmen stärken, möglichst viele Arbeitsplätze schaffen und Steuereinnahmen erhöhen.

Das Südwind-Institut hat dazu eine neue Studie vorgelegt, die Antje Schneeweiß in Bonn vorgestellt hat. Danach sind solche Entwicklungs-Investments noch klein: Jährlich fließen rund 25 Milliarden US-Dollar in Mikrokredite in den Süden und rund 3 Milliarden als Entwicklungsanleihen oder ‑investments. Hierbei werden Fonds zum Beispiel befristet Miteigentümer von jungen Unternehmen oder investieren zusammen mit öffentlichen Entwicklungsbanken in erneuerbare Energien. Rücküberweisungen von Migranten und rein gewinnorientierte Auslandsanlagen im Süden sind mit jeweils weit über 300 Milliarden US-Dollar viel größer, die öffentliche Entwicklungshilfe der OECD-Länder liegt bei 133 Milliarden.

Das deutsche Entwicklungsministerium (BMZ) möchte mehr private Mittel mobilisieren – auch von institutionellen Anlegern – und so die Wirkung seiner Hilfe vergrößern. Gleichzeitig, so Marius Kahl vom BMZ, sollen das Bank- und Steuerwesen in Ländern des Südens gestärkt werden. Schon wegen des Klimaschutzes seien hohe private Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern nötig, sagte Kahl bei der Tagung in Bonn.

Warnung vor neuen Schuldenkrisen im Süden

Bodo Ellmers von der NGO EURODAD aus Brüssel wies auf die Gefahren von privaten Kapitalflüssen Richtung Süden hin. Sie „können teuer werden“, weil jedes Jahr Hunderte Milliarden an Zinsen und Gewinne in den Norden zurückfließen, sagte er. Und sie seien nicht verlässlich; oft fließe Kapital erst schnell in ein Land und werde dann wieder abgezogen. Ellmers warnt daher vor neuen Schuldenkrisen im Süden – diesmal ausgelöst durch internationale Kreditaufnahme nicht von Staaten, sondern von Unternehmen oder Haushalten.

„Ich fühle mich nicht schuldig an solchen Schuldenkrisen“, entgegnete Klaus Bernshausen von einem institutionellen Investor, der kirchlichen Ruhegehaltskasse in Darmstadt. Er erklärte, welchen Vorgaben des Gesetzgebers, der Finanzaufsicht und der Kirchen die Kasse bei Anlagen folgen muss. Sie müssten nicht nur gewinnträchtig, sondern auch sicher und liquide sein. Zusätzlich die Entwicklungswirkung einzelner Investitionen zu beurteilen sei sehr schwierig – auch weil es dazu kaum Berater gebe. Es ist aber möglich, wandten Vertreter von Oikocredit und der GLS-Bank im Publikum ein. Wir tun ja auch was, entgegnete Bernshausen: Die Kasse habe als kirchliche Institution durchaus den Anspruch zu berücksichtigen, welche Folgen ihre Geldanlagen hätten.

Das ist ein Fortschritt, aber kaum der Königsweg zur Mobilisierung von mehr Geld für Entwicklung – so ein Ergebnis der Diskussion. Ob mit solchen Investments überhaupt zusätzliches Kapital für entwicklungspolitisch sinnvolle Anlagen aufgebracht wird, ist nicht klar, räumte Antje Schneeweiß ein. Und für öffentliche Güter wie Bildung und Gesundheit sollte man nach Ansicht der meisten Teilnehmenden nicht auf internationales Privatkapital setzen. (Bernd Ludermann)

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