Menschenrechte

Marén Gröschel für welt-sichten.

Die Menschenrechte gelten für alle. In der Praxis aber werden sie von repressiven Regierungen oder durch entwürdigende Lebensumstände immer wieder verletzt. Debattiert wird zudem, ob die Menschenrechte in verschiedenen Kulturen Verschiedenes bedeuten und ob politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Menschenrechten gleich wichtig sind. Und überall müssen Menschen für die Verwirklichung ihrer Rechte kämpfen.

Aktuell zum Thema

Ausbeutung in Brasilien
Brasilien ist Pionier bei der Bekämpfung moderner Sklaverei. Eine Brigade spürt im ganzen Land Ausbeuter auf und zieht sie zur Rechenschaft. Auch Großkonzerne haben sie im Visier.
Die restriktive Einreisepolitik der USA bei der Fußball-Weltmeisterschaft wird in Deutschland zu Recht kritisiert. Dabei sind die Einreisebestimmungen für Menschen aus dem globalen Süden und besonders Afrika auch hierzulande schikanös.

weitere Artikel zum Thema

Menschenrechte in Mexiko
Auf der Kanzel findet Arturo Carrasco die richtigen Worte, um Menschen Trost zuzusprechen, die in Mexikos Krieg gegen die Drogen Angehörige verloren haben. Doch Worte allein genügen dem katholischen Priester nicht in seinem Engagement für Recht und Gerechtigkeit.
Die nigerianische Vollzugsbeamtin Olukemi Ibikunle in der Uniform und mit dem blauen Barett der MONUSCO-Friedensmission in der DR Kongo.
Innovation im Strafvollzug
Eine Beamtin aus Nigeria verbessert in Afrika Haftbedingungen mit kleinen Schritten: Die Justizvollzugsbeamtin Olukemi Ibikunle setzt sich erfolgreich für bessere Perspektiven in Gefängnissen ein – in ihrer Heimat Nigeria ebenso wie in der Demokratischen Republik Kongo, wo sie im Rahmen der UN-Friedensmission MONUSCO stationiert war.
Im Hintergrund ist das Stadion zu sehen, im  Vordergrund ein schwarzer hoher Sichtschutz, auf dem mehrere Personen Plakate kleben und Graffiti schreiben.
Die andere Seite der WM
Mexiko ist im Fußball-Fieber. Zusammen mit den USA und Kanada richtet das Land vom 11. Juni bis 19. Juli die Weltmeisterschaft aus. Doch manchen ist nicht zum Feiern zumute - so wie Genoveva Domínguez, deren Tochter verschwunden ist.

Gut zu wissen

Internationaler Menschenrechtsschutz
Was bringen Erklärungen und Konventionen?
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 und die internationalen Verträge und Abkommen, die auf ihr beruhen, bieten keinen direkten Schutz vor Menschenrechtsverletzungen. Aber sie machen deutlich, was zu den unveräußerlichen Menschenrechten gehört. Das delegitimiert die Täter und stärkt die Opfer von Verletzungen in der Gewissheit, was Unrecht ist. Auf welche internationalen Rechtsakte können sie sich berufen?

Der heutige internationale Menschenrechtsschutz beruht auf Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen. Das sind rechtsverbindliche internationale Verträge, die inzwischen von der Mehrzahl der Staaten ratifiziert worden sind.

Grundlegend sind zwei Menschenrechtspakte, die die Generalversammlung der Vereinten Nationen 1966 verabschiedet hat: Der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte (Zivilpakt, ICCPR) schreibt Schutz- und Freiheitsrechte fest, darunter das Folter- und Sklavereiverbot, das Recht auf Schutz des Privatlebens, das Recht auf freie Meinungsäußerung, das Recht auf Religionsfreiheit und Versammlungsfreiheit sowie das passive und aktive Wahlrecht. Der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (Sozialpakt, ICESCR)  verpflichtet Staaten dazu, diskriminierungsfreien Zugang zu wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechten zu gewährleisten, darunter die Rechte auf Gesundheit, Bildung, Arbeit, Wohnen, Wasser, Sanitärversorgung und Teilhabe am kulturellen Leben.

Darüber hinaus regeln verschiedene weitere Konventionen und Abkommen den  Schutz der Menschenrechte für bestimmte Bevölkerungsgruppen – so das Internationale Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von rassistischer Diskriminierung (ICERD), die Frauenrechtskonvention (CEDAW), die Konvention gegen Folter CAT), die Kinderrechtskonvention (CRC), die Wanderarbeiter-Konvention (ICMW), die Behindertenrechtskonvention (CRPD) und die Konvention gegen das Verschwindenlassen (CPED). 

Staaten, die diese Abkommen ratifiziert haben, haben sich dazu verpflichtet, die darin garantierten Rechte zu achten, zu schützen und zu verwirklichen. Auch müssen sie regelmäßig den Fachausschüssen der Vereinten Nationen über den Stand der Umsetzung berichten. Die verschiedenen Konventionen sind von unterschiedlich vielen Staaten ratifiziert und damit für sie selbst rechtskräftig gemacht worden; relativ wenige haben zum Beispiel die Wanderarbeiter-Konvention ratifiziert, Deutschland, die Schweiz und die meisten Industrie- und Einwanderungsländer bis 2023 nicht.

Hintergrund

Menschenrechtsorganisationen geraten in vielen Ländern zunehmend unter Druck und werden schikaniert. Doch das ist eine Reak­tion darauf, dass sie stärker werden. Internationale Gremien können den Schutz der Menschenrechte nicht erzwingen, den Regierungen aber inzwischen sehr lästig werden.

Infografik

Todesstrafe weltweit Grafik

Das empfiehlt die Redaktion

In Saudi-Arabien gibt es eine kleine gesellschaftliche Revolution: Kronprinz Mohammed bin Salman sorgt dafür, dass mehr Frauen arbeiten gehen, sie Unternehmen gründen dürfen und kein Kopftuch mehr tragen müssen. Doch diese Reformen werden von scharfen Repressionen begleitet.
Auch wenn die Autokratie weltweit auf dem Vormarsch scheint: Eine Reihe von Ländern hat sich in den vergangenen zehn Jahren re-demokratisiert, vor allem in Asien, zeigt eine neue Studie.
Wer sich gegen große Konzerne und Landraub stellt sowie Umweltschutz einfordert, gerät leicht ins Visier der Mächtigen und lebt gefährlich. Eine neue Untersuchung zeigt das am Beispiel Südostasien.

Tipp

UN Women hat 2014 die globale Solidaritätsbewegung HeForShe gestartet. Damals wie heute weist diese Bewegung darauf hin, dass die Gleichstellung der Geschlechter keine „Frauensache“, sondern ein Menschenrechtsthema ist, das die Mitwirkung aller erfordert. Unser „Mitmachen“ im Juni.
Die Menschenrechtsinitiative der Evangelischen Kirche informiert mit ihrer ersten Wanderausstellung ab 18. April an verschiedenen Orten Deutschlands über Menschenrechte. Die mobile Ausstellung kann auch ausgeliehen werden. Unser „Mitmachen“ im April.
Titelbild Extremes Wetter, mehr Gewalt?
Der Klimawandel setzt Gesellschaften unter Druck und verschärft lokale Konflikte, etwa am Amazonas in Brasilien. Aber verursacht er Kriege mit? Was können Entwicklungs- und Umweltpolitik gegen klimabedingte Spannungen tun? Wie verändern Wetterextreme den Blauhelmeinsatz im Südsudan? Und wie bereiten sich Armeen auf die Erderhitzung vor und befeuern sie zugleich?
„welt-sichten“ per E-Mail
Unsere drei verschiedenen Newsletter informieren jeweils über Neues bei „welt-sichten“, über die aktuellste Ausgabe oder liefern zusätzlich zahlreiche Lesetipps und Studien zu globaler Entwicklung. Sie haben die Wahl!

weitere Themen

Eine gerechtere und friedlichere Welt ist möglich – und die Entwicklungspolitik soll dazu beitragen. Noch dominieren westliche Geberländer das Feld, doch große Schwellenländer wie Brasilien, China und Indien engagieren sich zunehmend in der Süd-Süd-Kooperation. Die Ziele von Entwicklungspolitik ändern sich, seit es sie gibt. Und immer ist sie dem Risiko ausgesetzt, für andere politische Zwecke instrumentalisiert zu werden.

Kriege und Bürgerkriege sind Hauptgründe für Hungersnöte, Elend und Flucht. Streit zwischen Großmächten begünstigt sie nun wieder, so in Mali, Jemen, Myanmar und Sudan und in der ganzen Region Nahost. Was treibt Kriege an, wie überstehen Menschen sie, wo und wie konnte man sie beilegen?

Unterstützen Sie unseren anderen Blick auf die Welt!
„welt-sichten“ schaut auf vernachlässigte Themen und bringt Sichtweisen aus dem globalen Süden. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung. Warum denn das?
Ja, „welt-sichten“ ist mir etwas wert! Ich unterstütze es mit
Schon 3 Euro im Monat helfen
Unterstützen Sie unseren anderen Blick auf die Welt!