Fünf Jahre sind noch Zeit, die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Einem davon, der Überwindung von Hunger, widmet sich ein internationales Forscherteam der London School of Economics mit Fokus auf Afrika.
Das Buch bringt Zahlen der Welternährungsorganisation FAO, nach denen ein Fünftel der Bewohner Afrikas im Jahr 2022 unterernährt war und ein Viertel täglich mit unsicherem Zugang zu Nahrungsmitteln kämpfte. Die Ursachen sind laut dem Forscherteam klar: Auf dem Kontinent werden zu wenig Nahrungsmittel erzeugt – ein Problem, das mit den Folgen des Klimawandels eskaliert. Inwieweit Kaufkraft- und Armutsunterschiede zwischen verschiedenen Ländern zu Ernährungsdefiziten führen, hätte genauer und an Fallbeispielen ausgeführt werden können. Die Darstellungen bewegen sich zumeist auf der argumentativen Ebene, Afrika insgesamt in den Blick zu nehmen, wobei die meisten Beiträge mit anschaulichen Grafiken illustriert sind, etwa zu unterschiedlichen Grundnahrungsmitteln und zum Handel.
So exportierten 2021 alle afrikanischen Länder zusammen Grundnahrungsmittel im Wert von 55 Milliarden US-Dollar, hingegen betrugen die Importe insgesamt 104 Milliarden US-Dollar. Dazu zählten riesige Einfuhren von Grundnahrungsmitteln wie Weizen, Mais, Reis und Speiseöl aus Südamerika und Asien. So ist Brasilien der Hauptlieferant an Mais, Zucker und Geflügel, während Palmöl vor allem aus Malaysia und Indonesien kommt. Eine beträchtliche Menge exportierter roher Cashewkerne aus Westafrika geht nach Indien, gleichzeitig wird Tee aus Ostafrika nach Pakistan und in die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft. Afrikas Handelspartner im Nahrungsmittelsektor sind also keineswegs nur europäische Länder, sondern auch Staaten im globalen Süden. Innerafrikanischer Nahrungsmittelhandel spielt im Vergleich mit dem internationalen Handel eine untergeordnete Rolle, Handelsabkommen konnten das bislang nicht grundlegend ändern.
Fisch als Grundnahrungsmittel ist gefährdet
Beim innerafrikanischen Handel dominiert Fisch, führend sind die atlantischen Küstenländer Mauretanien, Senegal und Namibia. Für über 200 Millionen Afrikaner ist Fisch der wichtigste Proteinlieferant. Wenn mit steigenden Meerestemperaturen in Folge des Klimawandels Fischschwärme in kühlere Gewässer abwandern, gefährdet das diesen Wirtschaftszweig und Fisch als Grundnahrungsmittel. Die problematische Tiefseefischerei mit großen Trawlern wird in der Darstellung nur kurz gestreift. Das betrifft auch den Einfluss internationaler bzw. ausländischer Agrarkonzerne, etwa aus den Arabischen Emiraten, deren exportorientierten Geschäftsinteressen vielerorts zu Landkonflikten mit der jeweiligen lokalen Bevölkerung führen.
Die Autoren betonen, dass Nahrungsmittel in Afrika vor allem von kleinbäuerlichen Betrieben produziert werden, lassen aber außer Acht, wie Kriege und gewaltsame Konflikte zu massiven Einbußen führen, wenn Menschen Felder oder ganze Gebiete wegen Kampfhandlungen nicht mehr bearbeiten können, fliehen müssen oder vertrieben werden. Um den Hunger in Afrika zu bekämpfen, setzen die Forscher vor allem auf Anpassung an Klimawandel, Ertragssteigerungen und Handelsverbesserungen – und vernachlässigen dabei das Nachhaltigkeitsziel Frieden.
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