Schmerzhafte Einseitigkeit

Abdel-Hakim Ourghi: Die Liebe zum Hass. Israel, 7. Oktober 2023. Claudius, München 2025. 223 Seiten,  24 Euro

In seinem Buch sucht der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi nach den Gründen, warum in muslimischen Kreisen der Hass auf Israel immer größer wird. Dass er dabei konsequent den Kontext der Palästinenser ausblendet, rückt sein Buch in die Nähe eines Pamphlets. 

Dass der Staat Israel in arabischen und islamischen Ländern immer weniger Freunde hat, ist kein Geheimnis. Für den in Algerien geborenen Autor ist der Grund dafür vor allem in „dem Islam“ zu suchen und darin, dass Muslime grundsätzlich etwas gegen Juden haben. Wer Ourghi auf den 220 Seiten folgt, bekommt ein monolithisches Islambild präsentiert, das wenig Luft für Toleranz, Versöhnung und Frieden lässt. Vielmehr neigten die Muslime zu Gewalt und kämpften lieber gegen etwas, als dass sie sich für etwas einsetzten, so Ourghi.

Israel dagegen preist der Autor, der sich selbst als liberal-aufgeklärter Muslim bezeichnet, als einzige Demokratie im Nahen Osten, mit „allgegenwärtiger Fürsorge und entschlossener Daseinsvorsorge“ für alle seine Bürger, ein Staat mit einer „bemerkenswerten Entwicklung“ von „der Wüste und unfruchtbaren Landstrichen hin zu einem blühenden, modernen, jungen Land“. Alles, was man von der israelischen Blockade Gazas seit 2005 gehört habe, dass Gaza ein „Freiluftgefängnis“ gewesen sei, sei falsch. Vielmehr habe Israel die Einwohner Gazas selbst während der vorherigen Kriege mit Treibstoff und Hilfslieferungen versorgt. Ein Lehrstück für israelfreundliches Framing. 

Die Besatzung wird mit keinem Wort erwähnt

Die palästinensische Perspektive spielt für seine Analyse keine Rolle. Dass Israel das Westjordanland, die Golanhöhen und Ostjerusalem seit 1967 völkerrechtswidrig besetzt, erwähnt Ourghi mit keinem Wort. Dass der Alltag der Palästinenser unter der israelischen Militärregierung und durch die immer gewalttätiger werdenden Siedler immer schwerer wird, ist bei seiner Suche nach dem Grund für den zunehmenden Hass auf Israel eine Marginalie. Dass die israelische Besatzung die Gewalt der Hamas nicht legitimiert, steht außer Zweifel. Doch die Einseitigkeit, mit der Ourghi sich seiner Fragestellung widmet, verursacht beim Lesen fast schon Schmerzen. 

Von Seite zu Seite wartet man darauf, dass er endlich, wenigstens für ein paar Absätze, die palästinensische Perspektive mit ins Spiel führt. Vergeblich. Lieber diffamiert er diejenigen, die sich wissenschaftlich mit Traumata auf der palästinensischen Seite auseinandersetzen. Für ihn sind sie propalästinensische Aktivisten, die der Hamas-Propaganda auf den Leim gehen.

Er selbst gefällt sich dabei in der Pose des unparteiischen Islamkenners, der sich der Schwierigkeit seiner Aufgabe durchaus bewusst ist. „Ein muslimischer Autor muss sich bei diesem Thema um besondere Neutralität, Sachlichkeit und Objektivität bemühen“, schreibt er gleich zu Beginn. Genau diesem Anspruch wird Ourghi aber auf keiner Seite gerecht. Mit „Die Liebe zum Hass“ präsentiert er ein Pamphlet, das in der Auseinandersetzung mit dem islamischen Antisemitismus nicht wirklich hilfreich ist. 
 

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